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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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Vorwort.

er dadurch des jedenfalls sehr beschwerlichen Studiums seiner Schrif-ten selbst wenigstens grösstenthcils überhoben werden kann 1 ). Des-halb möchte es vielleicht als wünschenswert!! erscheinen, das Manu-script für die Bibliothek der Gesellschaft zu erwerben, ohne die-selbe drucken zu lassen, am allerwenigsten als gekrönte Preisschrift.Ob es nun angemessen sein dürfte, den Verfasser in geeigneterForm aufzufordern, seinen Namen zu nennen 2 ), und ihm dann dieals Preis ausgesetzte Summe nicht als Ehrenpreis, sondern alsKaufpreis für sein Manuscript für die Bibliothek der Gesellschaftauszuzahlen 3 ), muss ich natürlich ganz und gar deren eigenemgeneigten Ermessen gehorsamst anheimstellen.

Greifswald, den 9. März 1863.

Grunert.

*) Wenn icli auch nie gezweifeit habe, dass Prof. Grunert so gedacht hatund denkt, so war ich doch, offen gestanden, einigermaassen überrascht, dieseAnsicht von ihm auch ausgesprochen zu finden. Prof. Grunert ist also wirklichder Meinung, es könne Jemand, der über Tschirnhaus zu schreiben beabsichtigt,des Studiums der Schriften desselben durch die Excerpte, die ein Anderer ausdiesen gemacht, grösstentheils überhoben werden und könne sich getrost mit dembegnügen, was dieser nach seiner subjectiven Auffassung zu excerpiren für gutbefunden hat. Bas also ist die Anschauung des Prof. Grunert! Und sie erscheintihm so natürlich, dass er sie ganz ruhig, als verstände sie sich von selbst, aus-spricht, ohne zu fühlen, in welches Licht er sich durch dieselbe bei allen einiger-maassen Benkenden und Ueberlegenden nothwendig stellt. Benn Jeder sieht ein,dass bei dieser, allerdings recht bequemen und mühelosen, Art von Porschungirrige und falsche Ansichten sich von einem Schriftsteller zum anderen, von einemBuche zum anderen fortpÜanzen würden, wenn Alle in diesem Sinne verfahrenwollen. Hält man aber nun diese unumwunden ausgesprochene Ansicht des Prof.Grunert zusammen mit der Thatsache, dass derselbe in obigem Gutachten sowohlwie in seinem Aufsatze im Archiv sich zwar auf das Conversations - Lexicon undverschiedene Mathematiker der neuen und neuesten Zeit, aber nirgends auf einWort aus Tschirnhausens eigenen Schriften (von Ueberschriften und Titeln natür-lich abgesehen) beruft, sowie damit, dass (s. pag. XII) nach seiner Meinung diesieben Seiten meiner Schrift ein Auszug aus Tschirnhausens kaum vier Seitenumfassenderbetreffender Abhandlung (Act. Erudit. 1683, pag. 204207) sind,so dürfte der Gedanke nicht allzu fern liegen, Prof. Grunert habe obiges Gutachtenund seinen Aufsatz im Archiv im Vertrauen auf das, was Andere, die sich viel-leicht wieder auf Andere verliessen, über Tschirnhaus sagen und behaupten, ver-fasst, ohne etwas von dessen eigenen Schriften gelesen zu haben.

2 ) Yermuthlich wusste Prof. Grunert nicht, dass ich, wie es unter solchenUmständen gestattet zu-sein pflegt, sogleich bei Einreichung meiner Arbeit dieBitte ausgesprochen hatte, man möge, falls derselben der Preis nicht zuerkanntwürde, das beifolgende, den Namen des Verfassers enthaltende, Couvert öffnenund die Abhandlung an diesen (also an mich) zurücksenden. Bas Manuscriptgelangte daher nicht als schätzbares Material in die Bibliothek der Oberlausitzi-schen Gesellschaft, sondern zurück in meine Hände.

3 ) Bie Oberlausitzische Gesellschaft war indessen taktvoll genug, mir diesenVorschlag nicht zu machen, für welchen (um von Klugheitsrücksichten ganz zuschweigen) vom Gesichtspunkte der Ehre aus betrachtet die passende Bezeichnungzu finden ich Jedem überlasse. Ba es aber einmal Prof. Grunert beliebt hat,das Pecuniäre, welches für mich von untergeordneter Bedeutung war und ist,hervorzuheben, so diene ihm zur Nachricht: Ich habe die vorliegende Schrift aufeigene Kosten drucken lassen, und werde mir erlauben, der Oberlausitzischen Ge-sellschaft ein Exemplar für die Bibliothek zu überreichen, wie auch ich nicht er-mangeln werde, Herrn Prof. Grunert ein Gratis- Exemplar zukommen zu lassen.