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§. 2. Sein Leben.
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Tschirnhausena Leben.')
Ehrenfriod Walther von Tschirnhaus * 2 ), Herr auf Kiesslingswaldeund Stoltzcnborg, Kurfürstlich Sächsischer Rath, wurde zu KiosS-lingswalde unweit Görlitz in der Ober-Lausitz am 10. April 1651am heiligen Ostertagc, Nachmittags 6 Uhr geboren und den 12. Aprilgetauft. Die Eamilio der Tschirnhaus, aus der er stammte, hatte schonüber 400 Jahre, nachdem sie aus Mähren und Böhmen in die Lau-
’) Eine unter dem Titel: „Ehrenfried Walther Tschimbausens Lebens- undTodes-Geschichte. Görlitz. 1709”. 12*°. erschienene Biographie habe ich mir leidertrotz aller Bemühungen nicht verschaffen können, und daher aus folgenden Quellengeschöpft:
„Acta Eruditorum. Anno 1709. Lipsiae”. Mensis Fcbruarii, pag. 41: „Elo-gium Ehrenfridi Waltheri a Tschirnhaus”.
„Heinrich Anshelms von Ziegler und Kliphausen weyland Chur - SächsischenBaths und Assesoris dos hohen Stiffts Meissen zu Wurtzen Continuirter Histori-scher Schau-Platz und Labyrinth der Zeit; Worinnen nicht allein die Lebens-beschreibungen gekrönter Häupter, grossmächtiger Fürsten, Geschichte hoherHäuser, wie auch geist- und weltlicher Ordens-Personen fortgesetzet, Sondern auchvieler alten, neueren und allerneuesten Kriegs - Helden, canonisirter und wunder-tätiger Leute, gelehrter Männer, vornehmer Weibes - Bilder, in Summa, allerlcyberühmter Personen in der Welt-, Lebens- und Wundor - Geschichte, Fata undVerdienste; Ingleichen dio denckwürdigsten Schlachten, Belagerungen, Krönungen,Bitter - Spiele, Exeqvicn, Castra Doloris, Jubel-Feste, Feuerwerke, Illuminationes,Vorräthereyen, Mordtaten, Leih- und Lebens - Straffen, Feuers-Brünste, Wasser-fluten, Sturm und Ungewittcr, Schiffbrüche, rare Veränderungen der Natur undVcgetabilien etc. Nach beliebter Art des vorhergehenden historischen Schau-Platzes und Labyrinths der Zeit vorgetragen, Und was sonderlich die jüngsten17 Jahre über seltsames passiret, beschrieben, Zugleich aber alles mit hehörigonMarginalien, und einem gedoppelten ltegister, I. der Artickoln, H. der curieusestenSachen Zum bequemen Gebrauch des geneigten Lesers versehen worden. ErsteFortsetzung. Leipzig, Verlegts Johann Heinrich Gleditschcns seel. Sohn, Anno1718”. fol. pag. 186: LXXXI. Lebens- und Todes-Geschichte des WeltberühmtenMathcmatici, Herrn Ehrenfried Walthers von Tschirnhauss, so den 11. Oct. 1708gestorben”.
„Leibnizens mathematische Schriften herausgegeben von C. J. Gerhardt. ErsteAbtheilung. Band IV. Briefwechsel zwischen Leibniz, Wallis, Guido Grandi,Zendrini, Hermann und Freiherrn von Tschirnhaus. Hallo. Druck und Verlagvon H. W. Schmidt 1859”. 8 T0 ' pag. 415 bis 539.
2 ) Gerhardt in seiner „Entdeckung der höheren Analysis. Halle, bei H. W.Schmidt. 1855”, pag. 67. Anmerkung sagt: „So schreibt er selbst meistens seinenNamen, zuweilen auch Tschirnhauss ”. Letzterer Schreibart bedient sich, wieman sieht, z. B. Ziegler in seinem: „Historischen Schau-Platz und Labyrinth derZeit , häufiger trifft man den Namen „Tschimhausen" geschrieben, z. B. inGerhardt s: „Historia et Origo calculi differentialis a G. G. Leibnitio conscriptaHannover. Hahn’sche Buchhandlung 1846”, pag. 22; ferner in Chasles: „Geschichteder Geometrie”, übersetzt von Sohncke. Halle. Gebauer’sche Buchhandlung 1839”,pag. 107 ff., ferner in der „Zeitschrift für Mathematik und Physik von Schlömilch,Witzschel und Cantor. Vierter Jahrgang. Leipzig, bei B. G.Teubner. 1859”, pag. 77.
Vielleicht ist dio Form „Tschimhausen” irrthümlich vom Genitiv „Tschirn-liausens” gebildet worden, vielleicht aber auch ist sie in der That die ursprüng-lich richtige gewesen und willkürlich geändert worden, da sich bei weitem mehrEigennamen auf „—hausen” als auf „—haus” endigen, z. B. Klipphausen, Stein-