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$. 2. Sein Leben.
Eridcrici, einige Arzneimittel schicken und nach Hause ') von seinerUnpässlichkeit schreiben, zugleich schrieb er selbst an den Kurfürsten,dankte ihm für alle erwiesene Gnade und empfahl ihm seine Kinder.Von nun an verschlimmerte sich sein Zustand und er starb am11. October 1708, gleich nach dem Schlage vier dos Morgens. ErWar bis zu Ende bei Besinnung. Seine letzten Worte waren: „Jotviumpho Victoria’” 2 ) Der Leichnam ward auf fürstliche Kostenauf seine’ erbliche Besitzungen (also Kiesslingswalde) geschafft unddaselbst beigesetzt 3 ). Es überlebten ihn drei (von sechs) Kindererster Ehe, “zwei Söhne: Gottlieb Ehrenfried und George Friedrich,und eine Tochter, Charlotte 4 ). Nach seinem Tode brach über seinVermögen der Concurs aus, alle seine werthvollen Anlagen wurdenvon den Gläubigem mit Beschlag belegt und gingen, wie es scheint,gänzlich zu Grunde 5 ).
An Körper war Tschirnhaus nicht stark 0 ), auch schadete erseiner Gesundheit durch zu angestrengte Thätigkeit. Denn er standalle Morgen um 2 Uhr auf, arbeitete bis 6 Uhr, legte sich dannwieder ein Stündchen nieder, verrichtete hierauf seine Amtsgeschäftelas zum Mittag und ruhte nach dem Essen wieder ein wenig, sodass er im Ganzen sechs Stunden von vier und zwanzig schlief 7 ).
Von Gemüth war er mild und sanft und besass grosse Selbst-beherrschung, so dass ihn Niemand erzürnt oder ausser Fassung sah,seinen Feinden verzieh er edelmütliig und machte sie zu Freunden ®).Er liebte die Wahrheit, war standhaft im Unglück, frei von Buhm-sucht, verachtete den Reichthum °) und fand das grösste Vergnügenin geistiger Thätigkeit, wie er denn auch unter zerstreuenden Ver-
’) Darüber, wo er erkrankt und gestorben, geben weder die Act. Erud. nochZiegler Nachricht. Doch kann der Ort nicht weit von Leipzig gewesen sein.
2 ) Act. Erud. und Ziegler.
3 ) Act. Erud. 1709: „Eunus sumptibus Eegiis in terras ayitas delatum, ibi-<iue conditum est, dum, quae ad justa splendidius persolvenda opus sunt, parentur”.
4 ) Ziegler: „Historischer Schau-Platz und Labyrinth der Zeit”.
5 ) Gerhardt: „Lcibnizens mathematische Schriften. Band IV”, pag. 128. Inder That dürfte der Umstand, dass er seine Kinder dem Kurfürsten empfahl unddass dieser ihn auf eigene Kosten bestatten liess, wohl die Eichtigkeit der Be-hauptung, dass es um sein Vermögen nicht gut gestanden habe, bestärken.
6 ) Act. Erud. 1709: „Corpore fuit minus robusto”.
0 Act. Erud. 1709 und Ziegler.
R ) Act. Erud. 1709: Doch konnte er auch ungerecht und bitter gegen diesein, die ihm Fehler nachwiesen, wie seine Aousserung über Johann Bernoulli(Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften. Band IV”, pag. 530) und seineAntwort an Fatio de Duillicr (Bibliotheque universelle et historique de l’anneoMDCLXXXV1II. Tome dixiemo. Abtheiiung: Septembro. pag. 498) zeigen.
°) Jedenfalls ist dies dahin zu verstehen, dass er den Kcichthum nicht umseiner selbst willen liebte; denn dass er ihn als Mittel zu wissenschaftlichenZwecken wohl zu schätzen wusste, dürfte aus der pag. 8, Anmerkung 1) citirtenStelle liervorgelin.