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§. 2. Sein Leben.
Verhältnisse erlitten haben, als am 26. August 1706 ') die Schwedenunter Karl XII. in Sachsen, und zwar zunächst in der Lausitz,einfielen, den Kurfürsten August den Starken zum Alt - BanstädtcrFrieden nöthigten und erst im September 1707 wieder abzogen,nachdem sie das Land ausgesogen und ruinirt hatten. Dass dabeiTschirnhaus an seinen Gütern und Besitzungen 2 ), sowie an seinenPolir- und Schleif-Maschinen und Glashütten empfindliche Verlusteerlitt, ist mehr als wahrscheinlich, und man möchte meinen, dass erjetzt einer Pension bedürftiger gewesen sein müsse, als im Jahre 1682.
Ausser diesen pecuniäron Verlusten trübte auch häusliches Un-glück Tschimhausens letzte Lebenszeit. Bereits 1693, am vierzehntenTage nach Michaelis 3 ) war seine erste Frau gestorben. Nach neun-jährigem Wittwenstande verlobte er sich 1701 mit Fräulein Elisa-beth Sophie von der Schulenburg, einziger Tochter von Hauboldvon der Schulenburg auf Mühlbach. Wie das erste Mal, musste erauch jetzt vor der Hochzeit eine Heise unternehmen: „Nachdem ernun hierzu von hohem Orte Erlaubniss, auch gewisse Commissionbekommen” 4 ), reiste er im October 1701 über Holland nach Frank-reich, wobei er seinen ältesten Sohn nebst dessen Hofmeister mit-nahm, die er auch in Paris liess. Er selbst kehrte, nachdem er hierein Vierteljahr zugebracht, im Februar 1702 zurück und verheirathotesich, verlor aber in den nächsten vier Jahren schon sowohl seineFrau als die von ihr geborenen zwei Kinder wieder durch denTod (vergl. Anmerkung 2)). Auch er selbst begann jetzt zukränkeln, wozu wohl ausser seinem grossen, fast allzugrossen Fleissauch die Sorgen der letzten Jahre beitrugen. Zwar achtete er Fieber,Schwind- und Wassersucht, Podagra, Chiragra und andere Krank-heiten für nichts, weil er gegen sie Mittel zu haben glaubte, wohlaber fürchtete er Steinbeschwerden, gegen die er lange ein Präser-vativ gesucht hatte. Und in der Tliat sollte gerade dieses Uebelseinen Tod herbeifuhren. Denn, nachdem er zu Anfang September1708 seinen ältesten Sohn in einer Krankheit sorgfältig verpflegthatte, ward er in der Nacht vom 27. auf den 28. desselben Monatsplötzlich unwohl und am 29. liess sich der Stein nicht mehr ver-kennen. Am 2. October liess er sich von einem Leipziger Arzte,
') Schlosser-Kriegk’s Weltgeschichte. Band XVI, pag. 42, 44.
2 ) Wenn nicht das Datum dagegen spräche, würde man geneigt sein, die:„bekannten Umstände’*, die Ziegler in seinem: „Historischen Schau-Platz undLabyrinth der Zeit erwähnt, wo er von Tschimhausens zweiter Frau sagt:„Weichergestalt auch die Hoch - Adeliche Frau Mutter am 17. Mart. Anno 170ßzu Mühlbach, wohin sie zu ihrem Kind-Bette gereiset, weil sie solches zu Kiesslings-walde, wegen bekannter Umstände, leider! nicht halten können, drei Wochen nachder Geburt des letzten dieser zwei Kinder, eines Söhnleins, welches nur drei viertelJahr alt wurde, starb” auf den Schwedischen Einfall zu beziehen.
3 ) Ziegler: „Historischer Schau-Platz und Labyrinth der Zeit”.
4 ) Ebendaselbst. Dieser Stelle nach wäre Tschirnhaus wohl mit einer diplo-matischen Mission betraut worden.