Kapitel II.
Tschirnliausens Leistungen und Verdienste.
A. In Philosophie.
§• 3.
V orbomerkungen.
Als Renatus Cartesius, die Unzulänglichkeit der mittelalterlichenScholastik erkennend, dieselbe zu verlassen und selbstständig zuphilosophiron beschlossen hatte, musste er natürlich, da es sich darumhandelte, Wahrheiten aufzufinden, sich zunächst darüber Klarheit zuverschaffen suchen: 1) woran erkenne ich, ob etwas wahr ist?2 ) welches ist die erste, sich am unmittelbarsten aufdrängende Wahr-heit? 3) wie kann ich von bekannten Wahrheiten zu noch unbekann-ten gelangen ? 4) wie die Schicrigkeiten, die sich entgegenstellen,überwinden? Diese Krage beantwortete Cartesius in seiner „Disser-tatio de methodo” *) und zwar die erste dahin: Wahr sei Alles, wasElan klar und bestimmt (clare et distinete) einsehe * 2 ), die dritte, in-dem er vorschrieb, man solle die Gedanken immer in einer gewissenOrdnung folgen lassen, mit Untersuchung des Einfachen und Leichten
') „Benati Deseartes specimina philosophiae: seu dissertatio de methodorecte regendae rationis, & veritatis in Bciontiis investigandae: Dioptrice et Meteora.Ex öallico translata, & ab Auctore perfecta, variisque in locis emendata. UltimaEditio cum optima collata, diligenter recognita, & mendis expurgata. Amstelodami,a Pnd Danielom Elsevirium CIOIüCLXXVlI. Cum Privilegio S. Caesareae Majo-statis”. Eine Uebersetzung des „Discours de la methode pour bien conduire araison et cbercher la veritii dans les Sciences”, der zu Leiden 1627 erschienen
2 ) Daselbst pag. 11: „Primum erat, ut nihil unquam veluti rerum admitte-rem nisi quod certö & evidenter verum esse eognoscerem; hoc est, ut omnempraecipitantiam atquo auticipationem in judicando diligentissim« vitarem; mhüqueamplius conclusione complecterer, quam quod tarn clare & distinete ratiom meaepateret, ut uullo modo m duhium possem revocare”.