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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seme Logik.

Lateinischen und anderen Sprachen Lust zu machen, um dasjenigeso sie gerne wissen wollen, darinne zu linden, da sie sonst solchenach der gemeinen Weise der Schulen erlernet haben würden.”

Zwar wird gewiss, beim Durchlesen dieser Anleitung zum Er-lernen der Mathematik und Physik, die Tschirnhaus giebt, jedemSchulmann der Jetztzeit, wie auch schon oben (pag. 63) angedeutetist, das Bedenken entstehen, ob möglich sein werde, mit einer Classe,in welcher „geschwinde und langsame Ingenia” und zwar meistensletztere in der Mehrzahl gemischt sind, so bald zu den Schriften desArehimedes und Apollonius zu greifen, wie Tschirnhaus voraus-zusetzen scheint; doch darf man nicht vergessen, einmal, dass damalsein unmittelbares Zuriickgehen auf die Alten überhaupt weit ge-wöhnlicher und für einen Mann, der auf wissenschaftliche BildungAnspruch machen wollte, nothwendiger war, als jetzt, sodann, dassdamals die reiche Auswahl mathematischer Elementarbücher nochnicht existirte, wie wir sie heute besitzen. Dagegen wird man inAnbetracht des damaligen Zustandes der Schulen, in welchen einmechanisches Abrichten wohl mehr stattlinden mochte, als ein ra-tionelles Unterrichten, Tschirnhaus vollkommen beistimmen, wenn ersagt: „Was die Erlangung der Warlieit durch Sinnen und Verstandbetrifft, so sey der Kehler, dass die Jugend auf den Schulen nur zuder Schwätz - Kunst goführet werde, weil sich die meisten durchSchwätzen bei der Welt in Ansehen setzen”. Solcher Leute „Phi-losophie ist nur verbalis oder aufs höchste historica opinionum undein Sceptismus, pro und contra zu schwätzen dienlich; darüber dennErkäntniss und Tugend versäumet werden. Dahingegen ist nöthig,bey der Jugend eine Liebe zur Wahrheit zu erwecken. Dieses ge-schieht durch schöne Experimenta, die zugleich eine Verwunderungund ein Licht geben, und eine grosse Begierde zu lernen verursachen.Einige streuen ein, alle Menschen hätten solche Neigung nicht, aberder Herr Autor sagt, die Erfahrung habe ihm ein anderes gewiesen”,es seien Kinder, die er nach seinem Art unterrichtet, sehr eifrig ge-worden. „Man muss also machen, dass sie eine passionem dominan-tem zur Wahrheit bekommen, so andere Begierden überwinde, unddas muss nicht geschehen durch Ehrsucht, denn die macht zank-süchtige, unruhige, schädliche Leute, sondern durch die Schönheitder Warheit selbst”. Lebhaft erinnern diese Mahnungen Tschirn-hausens an die von Weigel *) unermüdlich ausgesprochenen Erinne-

’) Erhardi Weigelii P. p, „Fortsetzung des Himmels - Zeigers der Bedeutungbei vollbrachtem Lauf des ungemeinem Cometen im Monat Februario 1681. Sampteinem Muster, wornach ein gottseelig Nativität zu stellen. Jehna, zu finden beiJohann Bielcken, Buchhändlern. 1681”. „ünmaassgebliche mathematische Vor-schläge, betreffend einige Grund-Stücke des gemeinen Wesens, entworffen vonErhardo Weigelio, P. P. P. S. Ober Bau-Directore zu Jena. Zn finden beiJohann Bielcken, Buchhändlern. 1682. nebst „Kurtzer Entwurf der freudigenKunst und Tugend-Lehre vor Trivial- und Kinder - Schulen von Erhardo Weigelio.P. P: Jena, gedruckt bei Johann Jacob Bauhofern”.

„Von der Würckung des Gemüths, die man das Kechnen heist, auf Voran-