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send einhundert und zwei und stebenzig schwiegen gänzlich.Man war also genöthiget/ die Schweigenden zu den An-nehmenden zu rechnen/ wenn man die Republik nicht aufsNeue im Provisorium lassen wollte. Die Ursachen derVerwerfung waren/ weil die Verfassung vom LoSkaufderZehnten nichts gesagt habe/ dort weil sie die katholischeReligion gefährde/ da weil man jene uralte Verfassung/unter welcher man Jahrhunderte lang glücklich und freigewesen/*) nicht aufheben wollte/ dort weil man einzelneTheile dapon als völlig zwecklos hielt. Die Ursachen wa-ren bei den Einten/ weil sie glaubten/ daß die Schwei-genden zu den Annehmenden gestellt werden dürfen; beiden Andern/ weil sie ihr geheimes Mißfallen an dem Ent-würfe mit ihrem Stillschweigen bedecken wollten; bei denDritten/ weil eS ihnen eckelte auch nur den Fuß oder denFinger für sie in Bewegung zu setzen. Die Hauptursache aber/welche weit aus die größte Anzahl zum Schweigen beweg-te/ war die täglich wahrzunehmende Gleichgültigkeit/ wel-che der so oft wiederholte Wechsel der Regierungen anallen öffentlichen Angelegenheiten erzeugt hatte.**) Die Ver-fassung wurde sofort als StaatSgrundsatz proklamirt/ dieWahlen ausgeschrieben und vorgenommen. Die Neuge-wählten traten überall in ihre Stellen ein/ die neue Re-gierung war constituirt/ das Provisorium hatte ein Ende.Allein kaum hatte die neue StaatSmaschine ihren Anfanggemacht/ so zeigte sich in derselben eine große Unbehag-lichkeit unter den einzelnen Theilen/ ihre Verhältnisse zueinander wurden schroff und gespannt/ kein Zutrauen be-lebte sie/ mißtrauisch sahen sich die ersten Stellen a»/Niemand getraute sich offen zu seyn und mit Nachdruck zuwollen und zu handeln/ denn jener Man»/ der schon zweihelvetische Regierungen stürzen half/ und deswegen vonallen Partheien gleich verachtet war/ von dem man nie
*) Hiehcr gehörte vorzüglich Außerrhoden-Avvcnicll.
»*) Minister Füßtt's amtlicher Bericht.