Buch 
Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
Entstehung
Seite
2
JPEG-Download
 

2

Die Forstwissenschaft.

keit und Gesundheit der Länder, insbesondere auf Klima und Witterung, schonzu folgern. Dieser Einfluß wird verstärkt durch die Eigenschaften, welche dieWälder hinsichtlich der Temperatur haben, indem sie als schwächere Wärmeleiterund als äußerer Schirm zugleich die Kälte im Winter, die Hitze im Sommermildern, ferner durch ihre Eigenschaften hinsichtlich der Vermittlung von Feuch-tigkeit und Regen, indem sie dem Austrocknen des Bodens entgegenwirken,mäßigen Regen befördern, die Schnelligkeit des Wegströmens des Regenwaffersvon den Abhängen hemmen, ein mehr allmähliges, hiermit ersprießlicheres Ein-wirken der Niederschlüge aus der Lust veranlassen, schroffe Uebergänge, sie er-schwerend, weit seltener machen. Durch diese sämmtlichen Eigenschaften sind dieWälder für Klima und Witterung auch Mittel der Stetigkeit und Ordnung.

Darum verehren wir in den Wäldern eine der wohlthätigsten Gaben dergöttlichen Vorsehung für Wohnlichkeit, Behaglichkeit und Freundlichkeit unseresVaterlandes, und freuen uns des Schmuckes, womit sie unsere Landschaftenverschönern.

II.

Begriff von Forstwissenschaft und Forstwesen.

Damit die Wälder ihre Bestimmung erfüllen, müssen wir, da wir aus demZustand der Wildheit getreten sind und, nächst Gott, Alles unserem Fleiße undGeschicke verdanken sollen, die Wälder angemessen behandeln. Der Inbegriffder hierzu erforderlichen Kenntnisse, des Wissens also, um einen Wald und diegestimmten Forste dem Zwecke und der Bestimmung (I.) gemäß anzubauen, zubewirthschaften und zu verwalten: das Alles zusammen ist die Forstwissen-schaft. — Wald- und Forstwesen dagegen ist der Inbegriff aller fürgehörige Bewirthschastung und Verwaltung der Wälder und Forste bestehen-den und vorhandenen Einrichtungen, Anstalten, Zustände und Geschäfte.Die Aufgabe des Forstwirths besteht also darin, den Zweck des höchstmöglichenErtrags und Nutzens mittelst des Waldes und der Bewaldung zu erreichen.

Wir haben die Wälder zuvörderst zu betrachten als Gegenstand der Be-handlung von Seiten ihrer Besitzer oder der Namens der Besitzer Handelnden.Der Inbegriff der hierzu erforderlichen Kenntnisse bildet den ersten Haupt-theil, der Forstwissenschaft, die Lehre von der Waldwirthschaft an sich, ganzabgesehen von Erörterung ihrer Verhältnisse zur Nation und zum Staate. —Die Wälder und deren Behandlung sind aber auch, theils im Sonderinteresseihrer Besitzer wie jedes andere Eigenthum und jede andere Betriebsamkeit, theilsauch wegen ihrer eigenthümlichen Wichtigkeit für das Gesammtinteresse des Lan-des und seiner Bewohner, theils endlich in Folge des eigenen Waldbesitzes vonLandesherr und Staat, Gegenstand der Aufsicht und Fürsorge des Staats undseiner Regierung. Die hierzu erforderlichen Kenntnisse bilden den zweitenHanpttheil der Forstwissenschaft. — Beide Haupttheile unserer Wissenschaft zer-fallen wieder in ,eine Menge Abtheilungen, deren systematische Gliederungaus der Ordnung, in welcher wir den Stoff abhandeln, und aus der Jnhalts-Anzeige dieses Buchs ersehen werden kann.

III.

Geschichte und Literatur.

Die Geschichte des Forstwesens und seiner Wissenschaft, innig verwebt mitder Culturgeschichte der Länder, zeigt einen je nach Bedeutung der Wälder und