Geschichte und Literatur.
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der Vertheilung ihres Eigenthums verschiedenen Gang der Entwicklung. Icherkenne darin folgende Perioden: I. von der Urzeit bis zur Abscheidung desWaldeigcnthums; II. von da bis zu den Anfängen geordneter Bewirthschaftung;III. von dieser bis zu den Anfängen der Wissenschaft; endlich IV. die Fortbil-dung bis zur Gegenwart. Zeitgränzen und Dauer dieser Perioden sind in denverschiedenen Ländern verschieden. Nach dem durchschnittlichen Vorkommen Deutsch-lands endigt die erste Periode im achten, die zweite im sechszehnten, die drittebeiläufig mit Anfang der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.
Die Quellen für die Zeiten vor der Wissenschaft sind sehr verborgen undzerstreut; sie aus Licht zu ziehen und auszubeuten, heischt im Allgemeinen Stu-dium der deutschen Rechtsalterthümer, der Verschlingung der römischen mit denaltdeutschen Rechtsinstituten, der Urkunden der Landesculturgeschichte, insbeson-dere aber der Forstordnnngen, alten Inventarien, Rechnungen, Verwaltungs-und Proceß-Acten. Die Forstgeschichte müßte sich vornämlich auf Bearbeitungder einzelnen Provinzialgeschichten gründen. Diese fehlen uns bis zum letztenJahrhunderte beinahe gänzlich. Somit ist erklärlich, daß die vielen Versuche,eine allgemeine Forstgcschichte zu schreiben, immerhin noch nicht die Aufgabe auchnur annähernd löseten. und daß diese, bei der sehr vielen Mühe und den sehrwenig lohnenden Ergebnissen, schwerlich je gelöst werden wird. Die bedeutendeVerschiedenheit der älteren Forstgeschichte, wo altdeutsche Einrichtungen sich, wieim mittleren Deutschland, überwiegend erhielten, oder wo sie durch römischeSatzungen wesentliche Aenderungen erlitten, wie im südlichen und westlichenDeutschland, oder wo slavische Volksstämme sich niederließen, wie im östlichenDeutschland, verdient hierbei vorzüglich beachtet zu werden.
Die besten, wenn auch nicht genügenden Gsschichteversnche sind: s) Grundlinien der deut-schen Forstge,chichte rc. von vr. F. B. Walther, Pros. rc., Gießen bei G. Müller 1816;d) geschichtliche Einleitung in die Forstwissenschaft von Krcisforstrath v. Widenmanu, Tübingenbei C. F. Lsiander, 1837; >:) Blicke in die Urgeschichte unserer Wälder von Forstrath Wächter(Hannover. Magazin Nr. 28 bis 32 von 1839); <I) die Forstgeschichte Preußens bis zum Jahre1806 von Dr. W. Pfeil, Leipzig bei Baumgärtner 1839. — Auch enthält der Artikel „Ge-schichte des Forst- und Jagdwesens" im Real- und Verballcxikon der Forst- und Jagdkundevon St. Behlen (Frankfurt a. M. bei I. D. Sanerländer 1842) viele beachtenswerthe An-gaben, — und das Handbuch der Forst - und Jagdlitcratnr von C P. Lanrop, Erfurt undGotha 1830, Hennings'sche Buchhandlung" mit seinen Nachträgen (für 1829—1843, sodann ineinem Ergänzungsheft bis 1845, bei I. D. Sanerländer, Frankfurt a. M. 1844 und 1846)die Nachweisung der meisten litcrarischen Quellen.
Erste Periode. Von der Urzeit bis zur Abscheidung desWaldeigenthums weiß die Forstgeschichte kaum mehr zu erzählen, als manin jeder allgemeinen Geschichte von Deutschland rc. findet. Urwaldungen be-deckten nach den Zeugnissen von I. Cäsar und Tacitus in dem Jahrhun-derte vor und nach Christi Geburt den größeren Theil unseres Vaterlandes inverdüsterndem Uebermaße. Sie waren ein sich überlassenes Gemeingut in ähn-licher Weise, wie noch jetzt in vielen von sogenannten Wilden bewohnten Län-dern. Von Waldschntz finden wir aus damaliger Zeit nur Spuren in denüberlieferten Sagen von gottesdienstlichen Gebräuchen, von heiligen Hainen undgottgeweihtenBäumen. Bonifacius ließ viele derselben auf seinen christlichenApostclzügen (im I. 718 rc. nach Chr. Geb.) fällen; von manchen noch jetztvorhandenen uralten Eichen wird, mit chronologischer Unwahrscheinlichkeit, ange-geben, sie seien heilige Bäume gewesen. Die Waldungen des alten Deutsch-lands bestanden aus denselben Holzarten, welche auch jetzt noch die gewöhnlicheinheimischen sind, doch mehr aus Laub-, als Nadelholz.
Mit dem sechsten Jahrhunderte beginnen Spuren von Waldeigcnthum.In Urkunden aus dieser Zeit und in dem Bayerischen Gesetzbuch, (die zwischen