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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
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Waldbaulehre. 15

Erster Abschnitt.

Von dem Verhalten der Holzarten.

Vorbemerkung. Der uns gestattete Raum macht es nur zulässig, aus dem Gebiete derbetreffenden Hülfswiffeuschasten ihre wichtigsten Beziehungen zur Waldwirthschaft hier anzudeu-ten. Diese Hnlfswissenschaftcn, nämlich Klimatologie, Meteorologie oder Witterungskunde,Geognosic, Bodenkunde, Physiologie der Pflanzen und Pflanzengeograyhie, allgemeine und be-sondere Forstbotanik, bilden den Gegenstand besonderer Bearbeitungen, auf die wir daher hin-weisen. Wir nennen im §. 1. sogleich die wichtigsten Waldbäume Deutschlands und werden indiesem Abschnitte ihre vorzüglich hervortretenden Verschiedenheiten des Verhaltens zu Klima,Boden und Lage, sowie ihre charakteristischen Eigenschaften für die Zwecke des Forstwirths an-führen, hiermit zugleich andeutend, wie wir, bei grösserer Ausführlichkeit, eine comparativeForstbotanik, die uns noch fehlt, bearbeitet wünschen. In ähnlicher Weise wären vergleichendeAnatomie und Physiologie der Holzarten zu behandeln. Der Kenner wird die Fruchtbarkeiteiner solchen Behandlung einsehen und in ihr zugleich eines der Mittel zur rationellen Begrün-dung der Waldbanlchre erkennen.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen hier nur noch die System-Namen einiger Holzarten,weil sie verschieden benannt werden, mir den von uns gebrauchten Benennungen: Fichte oderNothtannc, pmu8 nkivs L, p. picon rk. /i , p. «xcelsn 17.; Weißtanne oder Edel-tanne, oder Tanne schlechtweg, >> pioon D., p. nbit!« <1. /i., p. pactinntn /> 17.; Kieferoder Forche oder Föhre oder Forle, p. sz'Ivestrir L; unter Buche schlechtweg wird dieRothbuche, szlvnticn T. im Gegensatz znr Hain- oder Weißbuche, eui-plons betulus

D., verstanden; unter Erle schlechtweg verstehen wir die Noth- oder Schwarzerle, »IonsKluUnosn D, unter Weißcrle dagegen die -rinn« incmnn; Aspe oder Zitterpappel istdie populus traumln, nächst derselben ist für den Waldbctrieb von Bedeutung die Schwarz-pappel, populus Nixon, während p. »inmlll'orn (die kanadische) und p. itnlien (die Pyramidcn-Pappel) mehr außerhalb oder nur stellen- und gruppenweise in Betracht kommen; unsereAhorn-Arten sind n) der Stumpfahor», auch Bergahvrn oder gemeine Ahorn, ncvs psouclo-xlntnuxs, b) der Spitzahorn oder die Leime, ncor plntnnoicios, und c) der kleine Feldahvrnoder Mashvlder, noov cumpo^ti-v; von den Weiden ist die Sahlweide, «nlix onpron, diein den Waldungen am meisten vorkommende, während die anderen Weiden-Artcn (wie z. B. dieweiße Baumweide, s. nlkn, für Brennholz, oder die gelbe Band- und Dotterweide, «. vitoINim,für Mieden, oder die Korb- und Purpnrweide, s. vubv-c und purpurc-n, zu feinerem Flecht-werke) in der Regel nur zu Kopf-, Schneide!- oder Buschholz dienen.

§. 1. Klima und Witterung.

DasKlima", die einer Gegend eigene Beschaffenheit bezüglich der Wärmeund Feuchtigkeit der Atmosphäre, sowie der darin vorgehenden Veränderungen,äußert wesentlichen Einfluß aus Verhalten und Vorkommen der Holzarten.Insbesondere bedingt es, in Verbindung mit Boden und Lage, was man dennatürlichen" Standort einer Holzart und dieStandortsgüte" nennt. DieUnterscheidung zwischen dem Klima der meeresgleichen Ebenen, dem Küsten-klima, Klima der Hochebenen, Thalklima, Klima der Flußniederungen, Gebirgs-klima ist auch von forstwirthschastlichem Interesse und bietet Stoff zurBetrachtung wesentlicher Momente bei Wahl der Holz- und Betriebsarten,sowie bei deren Behandlung. Da Wärme und Kälte in ihrem mittleren Ver-halten und in ihren Extremen, sowie in ihrer Vertheilung nach Grad undDauer auf die verschiedenen Zeiten des Jahres, das Klima wesentlich bestim-men, so kommt bei dem klimatischen Verhalten der Holzarten ihr allgemeinesWärmebedürfniß und ihre Empfindlichkeit gegen höhere Kältegrade hauptsächlichin Betracht. Hierin folgen nach ihrem Vermögen, Kälte auszuhalten oder miteiner geringeren Wärme sich zu begnügen, unsere wichtigeren Holzarten (eineallmählige Kälte von 27 30° R. schadet den edleren gewöhnlich nicht) innachstehender Ordnung: Birke, Zürbelkiefcr (Arve), Vogelbccrbaum (Eberesche),Lärche, Fichte, Kiefer (diese können eine Kälte weit über 30° R. ertragen),Aspe (Zitterpappel), Erle, Sahlweide, Hasel, Linde, Esche, Eiche, Ahorn,Buche, Hainbuche, Weißtanne, Ulme. In Ansehung des ihnen zusagenden