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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
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Die Forstwissenschaft.

Grades von Feuchtigkeit oder Trockenheit der Luft folgen diese Holzarten:gemeine Kiefer, Zürbelkieser, Lärche, Vogelbeerbaum, Linde, Aspe, Sahlweide,Hasel, Eiche, Buche, Ahorn, Fichte, Esche, Erle, Ulme. In Bezug auf denGrad der Dünne der Lust ist die Rangfolge theilweise verschieden, wie ausdem Verhalten zur Lage erhellen wird.

2) Die Einwirkung derWitterung", d. h. des jeweiligen Zustandes derAtmosphäre und des jedesmaligen Ausdrucks ihrer Erscheinungen, ist nachdiesen verschieden. Unsere meisten Holzarten lieben zwar Wärme und Sonnen-licht, leiden aber in der Kindheit und einzeln stehend auch in höherem Altermeistens unter freier Sonnenhitze (am meisten Weißtanne, Buche, nächstdemauch Esche, Ahorn, Ulme, Fichte), gedeihen mehr in kühlem Schatten (vorzüglichdie vorgenannten, während andere, z. B. Kiefer, Eiche, Birke, Lärche mehrLichtbedürsniß haben) und sind der Gefahr des Erfrierens (aus übrigens geeig-netem Standorte und nach übcrstandener Krisis der Kindheit, nach Maßgabeder beim Wärmcbedürfniß erwähnten Reihenfolge) während der Vegetationszeit(daher die Gefahr der Spät- und Nachfröste), im Winter aber (selbst bei denhöchsten Kältegraden unseres Klima's, s. oben) nur selten ausgesetzt. TrockenesWetter oder anhaltende Dürre gefährdet nur die jungen Holzpflanzen, wäh-rend einmal erwachsene Bäume ihr mehr, wie irgend eine Pflanze, widerstehen.Anhaltend nasses und trübes Wetter vermindert zwar nicht den Holzzuwachs,hemmt aber (iu deu oben erwähnten Gradationen) Entwicklung und Reife desSamens, dessen Gedeihen öfters schon durch Fröste oder grellen Uebergangvon Hitze und Kälte zur^ Zeit der Blüthe und des Fruchtansatzes (z. B. beiBuche, Eiche, Fichte u. s. s.) vereitelt wird. Dem Holzzuwachse sind amförderlichsten feuchte, warme, lange Sommer mit kühlen, thaureichen Nächten.Wir lieben die schützende Schneedecke im Winter auf dem Boden, nicht aufden Bäumen, wo sie, befördert bei gelinderer Witterung durch nur beginnendesSchmelzen,Schneedrnck" undSchneebrnch" (zumal in dichten immergrünenNadelbeständen) veranlaßt, zwei Erscheinungen, welche beim Forstschutze Be-trachtung verdienen. Ebenso gefährlich, aber seltener, ist Eisbruchschaden.-Den Thau, der unsere Bäume in trockener Witterung erfrischt und gar mancheCultur vor Verdorren rettet, heißen wir willkommen und berücksichtigen ihnbei der Bodenbearbeitung und Bestandsstcllung. Friert freilich dieser Thau zurZeit des Laub-Ausbrnchs, so steigert er die Schädlichkeit des Frosts, sowie er,wenn er im Winter Duftanhang veranlaßt, in ähnlicher, wenn auch mindererBedeutung als der Schneedruck, gefährlich werden kann. Der Wind ist,sofern er Uebermaß au Feuchtigkeit austrocknet, Frostschaden oder Schnee-,Duft- und Eisanhang im Entstehen hindert, die Lust auffrischt, die natürlicheBesamung befördert, günstig, meistens aber (z. B. durch Wegführen der Laub-decke des Bodens, der Kohlensäure-Schichte, der Feuchtigkeit, Hindern derThaubildung, Ueberreiz und Störung der Blattfnnctionen) nachtheilig und, alsSturm, Ursache von Windfällen, Astbrüchen rc., deren Verhinderung zumalbei flachwnrzelnden Holzarten (namentlich den Fichten, nächstdem selbst beiBuchen, Weißtannen, Kiefern rc.) eine der Rücksichten bei der forstlichenSchlagführung bildet.

§.2. Lage.

Die Lage in horizontaler Richtung, d. h. nach dem Breitegrade oder derPolhöhe in dem nach Zonen abgetheilten Raume der Erdoberfläche zwischender nördlichen und südlichen VegetationSgrcnze und die Lage in vcrticalerRichtung, d. h. nach der in Regionen abgetheilten Erhebung über der