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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. von Wedekind
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17
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Waldbaulehre.

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Meeresfläche, bestimmen im Allgemeinen das Klima und mit diesem die Ver-breitung der Holzarten (§. 4.), beide darin ähnlich wirkend, daß mit demBreitegrade oder der Polnähe und mit der Erhebung die Kälte zunimmt(1° N. B. beiläufig 100 Meter Höhe "), unähnlich aber in der Dichtigkeitund Feuchtigkeit und dem Kohlensänregehalt der Luft, der Dauer von Sommerund Winter und der darin herrschenden Wärmesumme, sowohl in ihrer Ver-theilnng auf die Jahreszeiten, als auch auf Tag und Nacht (weßhalb, m. s.8. 4., die Holzarten in den beiden Richtungen eine verschiedene Stufenfolgehaben), überdieß örtliche Abänderungen erleidend nach der allgemeinen Gestaltdes Bodens, nämlich je nachdem die Lage eine horizontale oder geneigte Ebeneund die Oberfläche des Bodens sich in einer ebenen Richtung fortsetzt odergekrümmt, wellenförmig, gewölbt ». s. f. ist, ferner je nachdem die Neigungder Ebene oder Bodcnoberfläche (Abdachung, Böschung) einen schwächeren oderstärkeren Grad der Steilheit hat, ferner je nach der Richtung des Abhangsnach der Weltgegend (Exposition), worunter die Nordseite durch Kühle undFeuchtigkeit, Ostseite durch Trockenheit, Südseite durch Wärme zugleich, dieWestseite durch Feuchtigkeit mit Wärme, sich meistens auszeichnet. Eine jededieser Richtungen hat noch mehrere bei dem Anbau und der Schlagführung inBetracht kommende Eigenheiten. Nordost-, Nord- und Nordwest bilden zusam-men die Winter-, Südwest-, Süd- und Südost die Svmmerseite; erstere hatmehr Kälte, mehr Schatten, mehr Feuchtigkeit, letztere mehr Wärme, mehrLicht, mehr Trockenheit; erstere erzeugt und erhält daher zugleich mehr näh-rende Bestandtheile organischer Abstammung. Welche Lagen den verschiedenenHolzarten vornämlich zusagen, kann schon aus §. 1. beiläufig gefolgert werden.Buche, Wcißtanne, Ahorn, Esche, Fichte gedeihen (unter sonst gleichen Ver-hältnissen) mehr auf der Winter-, Kiefer, Birke, Eiche mehr auf der Sommer-seite, aus welchen Beispielen der Leser zugleich auf die vorwiegende Betheiligungder Kälte, Feuchtigkeit und Beschattung an dem Einflüsse der Lage schließenmöge. Aus der Winterseite ist der Holzmassenzuwachs größer, Dauer, Festig-keit des Holzes geringer, Erzeugung und Reife des Samens minder, Anschlagender Besamung mehr begünstigt.Freitage" ist eine über der umgebendenOertlichkeit erhobene und zwar solche, in welcher die Einwirkung der Atmo-sphäre, des Windes und der sonstigen meteorischen Erscheinungen durch keinendavorliegenden Berg u. dgl. gehemmt wird. Die Freitage erschwert, je nachihrer Exposition, Anbau und Schlagsührung. Wir haben Holzarten, welcheeinenluftigen" (d. h. von dünner, dunstfreier, leicht beweglicher Luft umge-benen) Standort vorziehen, aber doch eigentliche Freilagen nicht gut ertragen,z> B. die Lärche.

Die Wichtigkeit der Verschiedenheit der Page erfordert, daß bei Angabevon forstwirthschastlichen Erfahrungen über Gedeihen von Waldanlagen undHolzertrag aus concreten Oertlichkeiten jedesmal auch die Lage bezeichnet werde.

K. 3. Boden.

1) DieBodenkunde" hat ein weites und fruchtbares Gebiet für denForstmann. Die Grundlagen des Bodens, die Gcbirgsarten, welche uns dieGeognosie kennen lehrt, bestimmen in dreifacher Hinsicht dessen Beschaffen-heit, nämlich äußere Gestalt (welche zugleich bei der Lage, §. 2., in Betracht kam),Structur sammt natürlichem Aggregatzustande und mineralische (anorganische)

') V'^»bui 880 ll g'rnitö äs 6soxr. I. 432. Nach Anderer Berechnung 380 PariserFuß.

Neue Encyklopädie. Band I. Nr. 1.

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