Vom Holzanbau.
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8. 24. Beschaffenheit und Anschaffen der Pflänzlinge.
1) Der Altersvorsprung älterer Pflanzen wird meistens durch Mißlichkeitdes Erfolgs und größere Kostbarkeit überwogen; ganz junge Pflanzen sind da-gegen bei dem gewöhnlichen Verfahren empfindlicher gegen Mangel des Stand-orts, gegen Dürre, Frost, Graswuchs. Das 3 bis 6jährige Alter wurde daherfür das bei der gewöhnlichen Ausführung im Großen angemessenere gehalten.Bei Nachbesserungen und Einsprengen sind Alter und Stärke der Pflanzen, zwi-schen welche gepflanzt werden soll, maßgebend. Je kräftiger die Pflänzlingeentwickelt sind und je mehr das geeignete Verfahren fm. s. §.26.) angewendetwird, desto mehr verschwinden die Anstände gegen die in neuerer Zeit bevor-zugten 1 bis 3jährigen Pflänzlinge. (M. s. den Schlußsatz v. Nr. 5. des §. 16.).
2) Zu Pflänzlingen dürfen keine kränklichen, verdämmten, verkrüppelten oderzu schwank gewachsenen Pflanzen gewählt werden. Rinde und Knospen dürfenkein welkes Ansehen haben, die Triebe müssen kräftig, die Wurzeln von verhält-nismäßiger Größe und Verästelung sein.
3. Die Pflänzlinge erhält man entweder aus vorhandenen Aufwüchsen undSaaten, oder aus Saat- und Pflanz schulen, deren Standort die Erziehungkräftiger Pflanzen zulassen, deren sorgfältigste Bearbeitung aus einer verhält-nißmäßig großen Samcnmcnge die größtmögliche Pflanzenmenge herbeiführenmuß. Zu Saatschulen wählt man nach Umständen geeignete und gelegeneStellen wechselnd (Saatkämpe) oder auch für eine längere Reihe von Jahrendenselben Ort, in welchem Falle durch verwcsetes Laub und sonstige gute Füll-erde oder Asche periodisch gedüngt werden muß. Zur Verwendung bis insvierte, fünfte Jahr, ist die Versetzung in eine besondere Pflanzschule nicht nö-thig, jedoch nützlich; wird aber die Erziehung größerer Pflänzlinge beabsichtigt,so wird das ein- und selbst zweimalige Umsetzen räthlich, theils des größerenAst- und Wurzel-Raumbedarfs wegen, theils um der Wurzel eine günstige, dasspätere Versetzen erleichternde Bildung zu geben.
Beachtung verdienen die Verbesserungen, welche neuerdings Biermans und vonBnttlar int Verfahren zum Erziehen einer möglichst großen Pflanzeumenge und zum Ver-sehen ganz kleiner Pflanzen vorgeschlagen nnd mit ausgedehntem günstigen Erfolge ausgeführthaben? Ä. s. das 32. Heft meiner Jahrbücher. und das Märzheft 1847 der allg. Forst- nndJagdzeitung.
4) Verschiedenheiten zwischen dem bisherigen und dem neuen Standorteder Pflanzen verdienen bei unserem Waldbau nur dann Beachtung, wenn siebedeutend sind; namentlich vermeide man grelle Uebergänge der Feuchtigkeit oderTrockenheit des Bodens, des Klimas, der Lage, der Umgebung, der Beschat-tung. Ein sorgfältiger Waldwirth muß aus reichlichen stets bereiten Vorrath,selbst Ucbersluß von Pflanzen, mit alljährlicher Ersetzung der Abgänge durchetwas größere Zugänge, Bedacht nehmen, um in der Wahl nicht beengt zu sein.
8. 2S. Von der Jahrszeit der Pflanzung.
Die Zeit zwischen Schluß und Wiederaufgang der Vegetationszeit ist imAllgemeinen diejenige unserer Pflanzungen. Alls trockenem und leichtem Bodenbeginnt man mit der Pflanzung schon im Herbste, auf feuchtem (nassem) undschwerem Boden oder in frostiger Lage erst im Frühjahr, wobei jedoch meistensdas frühere Fertigen der Pflanzlöcher schon im Herbste räthlich ist. Frühjahrwird bei Nadelholz überhaupt mehr vorgezogen.
§. 28. Von den Arbeiten zur Pflanzung nnd von Pflege der Pflanzungen.
1) Außer Wegräumen von Gestrüppe, Unkräutern oder Gras, soweit der-gleichen den Holzpflanzen hinderlich sein kann, wird eine Bearbeitung des Bodens