Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
12
JPEG-Download
 

12

Unterwerfung Rätiens durch Rom.

V. Chr. zu den Rheinquellen sich hinziehen und auf diesem Zuge auch die Le-16- pontier berühren. So geräumig dehnt sich das Gebiet der Rätter aus,zwischen Rhein und Piave nämlich zweihundert, zwischen Schwaz undVerona aber hundertzwanzig italienische Meilen.

Mit dem Glück pflegt stets der Neid Hand in Hand zu gehen undbald wurden die Rätter von ihren Nachbarn beim römischen Volke alsgrausam, raub- und plünderungssüchtig verschrieen. Auf die Ausdeh-nung seiner Herrschaft stets bedacht, ergriff Kaiser Augustus sofortdiesen Anlaß gegen die Alpenstämme der Camuner (Bewohner derVal Camonica b) und Vennoneten (Veltliner) unter Publius Siliusim Jahre 738 der Erbauung der Stadt Rom oder 16 Jahre vorBeginn der christlichen Zeitrechnung ein Heer zu senden, welches die-selben nach einigem Widerstände sich unterwarf. Der nämliche Kaiserordnete dann seine beiden Stiefsöhne gegen die Rätter ab und zwarden Drusus zur Oeffnung der Pässe mit einem Vortrab voraus, ihmunmittelbar nach aber den Tibcrius mit dem Hauptheere. Obschondurch Drusus sowohl im Gebirge als auf dem Wasser ^ bedeutend er-schöpft, wagten dennoch die Ueberreste dem siegreichen und nun ver-einigten römischen Heere gegenüber eine offene Feldschlacht, wo nurihr Muth, keineswegs aber die günstige Lage des Bodens für sie stritt.Der Ausgang war ein beklagenswerther und hier geschah es, daß dierätischen Mütter, ähnlich den Amazonen, von welchen sie, Nachrichtenglaubwürdiger Schriftsteller zu Folge, abstammen sollen, zulezt alsjedes Geschoß mangelte, dem Feinde ihre Kinder in's Gesicht schleu-derten. Findet hier auf der einen Seite die Liebe zu Vaterland undzur Freiheit nicht Worte des Lobes und der Bewunderung genug, sofehlt dafür auch auf der andern der Ausdruck, um diese schreckliche,selbst dem wilden Thiere fremde Grausamkeit, genügend zu brand-marken. Im gleichen Sommer wurde übrigens dieser Krieg beendigt,die Rätter des Hochgebirgs aber, nämlich die Anwohner der Quellendes Rheins und Jnns nicht sowohl besiegt, als vielmehr nur aufihre Hohen zurückgedrängt und in diesem Umstände findet sich dennauch die Erklärung, warum Lucanus die Quellen des Rheins noch

s Südöstlich vom Veltlin.

o Rilvsli guogue PUAIUI in. Original, was auf Kämpfe auf denSeen Oberitalienk- oder wenn man den Zug des Drusus von Nordenher geschehen lassen will, auf dem brigantinischcn See schließen läßt.