Rätien unter frank. Herrschaft.
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Zeit Christi und des Kaisers Augustus lebte, geliefert hat. In allen 549Stellen, wo derselbe von Rätien handelt, werden als Grenzen gegenMorgen Verona und die Noriker bezeichnet, theilweise auch die Vin-deliker, welche dann auch gegen Mitternacht Nachbarn der Rätier sind.Gegen Mittag folgen Como und die Jnsubrer, gegen Abend die Hel-vetier und Lepontier. Ebenso hat das Bisthum Cur auf der Morgen-seite die Bisthümer Augsburg und Brixen als Angrenzer, südöstlichTrient und Verona, gegen Süden die Bewohner von Como, die Clävnerund Vennonetcn oder Veltliner (diese, obschon den Rättern Unterthan,zählen ihrer geographischen Lage wegen zum Bisthum Como), dannBellenz, welches zu Helvetien und kirchlich ebenfalls zu Como gehört;gegen Abend im höchsten Gebirge die Lepontier und Urner des Bis-thums Konstanz und die Viberier des Bisthums Sitten. GegenMitternacht erstreckt sich die Diöccse Cur auf der einen Seite beinahebis zum Bodensee, auf der andern bis zum Gaster ^ hinab.
Im Jahre 476 enttrohnte Odoaker, König der Rugier, Turci-lingen, Scyren und Heruler den Kaiser Momyllus Augustulus undnannte sich selbst den ersten König Italiens. Auch Rätien, bisherrömisch, scheint ihm zugefallen zu sein, da dasselbe später von ihm aufTheodorich den Ostgothen, Sohn Theodemirs des Amalers und derErelieua, seinen Nachfolger, überging.
In dem Kriege, welcher damals zwischen Kaiser Justinian undTbeodat, König der Ostgothen entbrannte, wurde beiderseits die Hülfedes Königs der Franken angerufen. Diese, stets bereit ihre Herrschaftauszudehnen, rückten im Jahre 549 unter ihrem Könige Theodebert,Theodorichs Sohn und des großen Chlodwigs Enkel mit einem starkenHeere in Italien ein. So wurde Rätien fränkisch und dem Herzog-thum Allemannien einverleibt und wie andere Theile desselben ver-waltet. An der.Spize stand ein Herzog, dann folgte der Präses.
Unter diesem standen die Grafen, welche damals nur Richter und ihresehrwürdigen Alters und Ansehens halber „Grauen" genannt, keines-wegs erblich, sondern nach Willkür des Fürsten ihre Würde innehatten.
Unter den ersten, durch die fränkischen Könige bestellten PräsidesHohenrätiens erscheint laut Urkunden der Kirche zu Cur Victor ausaltem, etruskischen ^ Adel stammend. Ihm folgten seine Söhne,
Lasdra rritloa im Original.
" Neuere Forscher halten die Vicloriden für unzweifelhaft fränkischenUrsprungs.