138 Bedeutungsvolle Vorzeichen des Deltlincr Mordes.
1620. aus Befehl und Zulassung verschiedener Fürsten und Behörden. JinVeltliu aber mordeten Unterthanen ihre rechtmäßig Vorgesezten, Ver-wandte ihre nächsten Blutsfreunde auf das Grausamste und besudeltennicht nur die Häuser und Städte, sondern sogar die Kirchen mit ihremBlute. Sie schonte» weder das Alter, noch das Geschlecht, noch selbstdas Kind, das an seiner Mutter Brüsten hing. Sogar Katholikenselbst, welche diesen Mord und diese Empörung verabscheuten, mußtendafür mit ihrem Leben büßen. Die Leichen von Verstorbenen wurdenaus ihre» Gräbern gerissen und den Hunden und wilde» Thieren vor-geworfen, andere in's Wasser gestürzt oder verbrannt, jede Art vonRohheil aber geübt.
Dieses grauenhafte Ereigniß wurde durch entsprechende Vorzeichenangekündigt, deren Einige hier aufzuführen, es sich wohl die Mühelohnt. Schon der deklageuswerthe Untergang von Plurs wurde vonmanchen Einsichtsvollen als bedeutungsvoll für sämmtliche Bündeangesehen. Gegen Gewohnheit erfroren die Reben im April derJahre 1618 und 1620 an verschiedenen Orten des Veltlins. Alsin diesem Sommer im ganzen Veltliu und der Grafschaft Cläve»durch die bündnerischeu Behörden auf allen Thürmen Wachen aus-gestellt wurden, um sowohl durch Feuerzeichen als durch Läuten dasVolk im Falle der Noth sogleich zu den Waffen zu rufen, traf es sich,daß am 8. Mai in der Stadt Sondrio die Wächter, welche Nachtsvorher den Dienst besorgt hatten und Katholiken waren, mit der Mel-dung zu den Bebordeg kamen, daß sie in eben dieser Nacht in der- Kirche der heil. Gevasius und Protasius ein verworrenes Gemurmelvernommen hätten, als ob sehr viele Personen sich mit einanderberumstritten, von welchen die eine Parthei die Worte: „Doch, doch",die andere aber „nein, nein" ausriefen. Als sie dann gleichzeitig ausder Kirche einen starke» Glanz hervor und durch den Thurm zu sichHeraufstrahlen gesehen, hätten sie ihre gewöhnliche Laterne angezündet,um in die Kirche hinabzusteigen. Auf diesem Wege sei ihnen jene aus-gelöscht worden. Als sie nun dieselbe nochmals anzündeten, sei cs zumzweiten Male mit noch größerer Heftigkeit geschehen. Gleichzeitig seidie Helle in der Kirche Plözlich verschwunden. Die Gewichte dw Uhr(an Stricken befestigte Steine) seien durch einen heftigen Stoß ausihrer Umhüllung gelöst und hinabgeworfen worden.
Der Klang der großen Glocke, mit welcher die Allarmzcichcngegeben zu werden Pflegen, wurde übrigens in dieser Nacht zr zehn