Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
201
JPEG-Download
 

Treffen vor Tirano.

201

und den Verschanzungen heraus. Einige Zürcher, darunter Haupt- 1620.mann Stucki, drangen mit solchem Ungestüm vor, daß sie am Thore il.Sp.Tiran's selbst drei von den Feinden tödeten. Die meisten Reiter warenum die Todten zu plündern von den Pferden gestiegen und befandensich in der größten Verwirrung. Es hatte der Feind sich sowohl desZürcher als Bcrner Gcschüzes, welches zwischen den beiden Abthei-lungen mitten inne transportirt wurde, bemächtigt. Jenes größere Feld-stück, welches er aus der Sradt gebracht hatte, war von ihm im Stichegelassen, aber zuerst von der Lafette herabgeworfen worden, so daß esnicht gebraucht werden konnte. An einer Stelle, welche den Namen !Campone führt und dicht an den Mauern Tiran's liegt, stieß vom j

Berae he r der ältere,Guler mit seinem SoHne JoH. Peter (obschoneiner der drei Häupter, war er dennoch anwesend) und einigen Bünd-nern zu den Zürcher«. Inzwischen mahnte mein Bruder Flori zuCastaneto, oberhalb Tiran, das Volk zum Kampfe, als es sich traf,daß zwei Prättigauer mit einander in Streit geriethen. Während sichmein Bruder bemühte, denselben beizulegen und zu diesem Behufe einwenig stille stand, wurde er vvm Feinde seines glänzenden Harnischesund seines weißen Federbusches halber bemerkt und sofort durch einenFalkonctschuß niedergestreckt. Die Kugel drang in die linke Lende.Unter der Anrufung Gottes und seinen ihn umgebenden Verwandtendie Freiheit des Vaterlandes, seine Gattin und Kinder empfehlend, gaber seinen Geist auf. Man begrub ihn auf dem Kirchhofe des benach-barten Dorfes Cologna, doch wurde seine Leiche von den Feindenspäter wieder daraus entfernt.

Es hatten auf der einen Seite die Bündner der zehn Gerichtebeinah alle Feinde aus dem Lager vor Tirano vertrieben und auf derandern kämpften die Zürcher mit einigen Bernern und Bündnern inihrer Mitte tapfer unter den Mauern der Stadt. Drei Zürcher undzwei Bündner hatten die Stadtmauern in der Nähe der Mühlen er-stiegen und an drei kleine Häuser Feuer gelegt, sahen sich aber baldvon der Uebermacht eines dazu kommenden Haufens Spanier bewältigt-In der Stadt war die Verwirrung sehr groß, zumal bei den Veltlinern.Jacob Robustello und Doctor Francesco Venosta hatten ihre Sachenbereits gepackt, die Pferde bestiegen und wollten entfliehen. SimonVenosta, einer der Veltliner Hauptleute, lies durch die Straßen derStadt und mahnte Alle zur Flucht. Don Juan de Origliana schlugihm aber mit einem Stäbe in's Gesicht, daß eine Menge Blut hervor-