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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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352
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352 Aufruf der Prättigauer an die übrigen Bündner.

1622. Der Kriegsrath sandte hierauf einige seiner Glieder in den grauen8. Mai und den Gotteshausbund, mit der Aufforderung, nach Wortlaut desBündnisses, zur Vertheidigung der alten rätischen Freiheit Hülfe zusenden. Oeffeutlich aber wagten dieselben nichts zu versprechen, dennBalriron hatte die Boten beider Bünde nach Cur berufen und vonihnen selbst Unterstüzung verlangt. Einzig die Oberhalbsteiner sand-ten hundert Mann unter Hauptmann Caspar Frisch nach Cur. Dieim obern Bunde erklärten, ihre Grenzen verwahren zu wollen undrückten mit wehenden Bannern an die Reichenauer Brücke hinab. AufBaldirons Geheiß schrieben indessen beide Bünde unterm 10. Mai andie Eidgenossen und stellten das Ansuchen, sie möchten den Prätti-gauern in ihrem Aufruhre kein geneigtes Ohr leihen und noch wenigerauf irgend eine Weise nnterstnzcn, sondern gegentheils mittelst Be-wachung der Paßübergänge den Zuzug von Hülfsvölkern verhindern.Dieses Begehren um Besezung der Zugänge geschah von Seite derOesterreichcr auch besonders noch an die Bewohner der vier Dörfer.Es stellten dann auch die Schwizer zu Laschen in der March und inder Grafschaft Gaster, sowie der Abt von St. Gallen im RheinthalWachtposten aus und hinderten jeden Kriegsmann, mit Ausnahme dereingebornen Bündner am Eintritt. Inzwischen fanden immerhin VieleGelegenheit aus Schleichwegen in das Land zu kommen.

Unterdessen waren die Bündner zu Haldenstein im Verein mit derEinwohnerschaft Tag und Nacht beschäftigt, Schanzen am Rheinuferauszuwerfen. Sie beschlossen auch die zu Felsberg und Reichen«»lagernden Oberbündner in einem Scharmüzel auf die Probe zu stellenlO.Mai und es gingen zu diesem Zwecke am 10. Mai sechs von ihnen denFußweg auf Felsberg zu und führten einen Nachen weg, der denRheinübergang zu vermitteln Pflegte. Sofort entstand im Lager derOberbündner das Gerücht, alle Prättigauer seien im Anzüge. Luziusv. Mont gedachte mit den Deinigen im Schloßhofe zu Reichen«» sichzu verschanzen, aber fast alle Katholiken machten sich aus dem Staube.Der Disentiser Trommelschläger bestieg, um sich in Sicherheit zubringen, eine hohe Buche. Als dieß zu Haldenstein bekannt wurde,ließen Stephan Thys und Schieß einiges Volk unter Mündli als Be-sazung zurück und zogen mit den Uebrigen ebenfalls an die Brücke zuReichen«», wo die meisten Evangelischen des obern Bundes nochlagerten. Sie ermähnten dieselben, sich an an sie anzuschließen, umgemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen und gemeinsam den