Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
393
JPEG-Download
 

Bundstag zu Cur.

393

und den Grafschaften Worms und Cläven, hänge vom König von Spanien 1622selbst ab und ihm (dem Herzoge) liege lediglich die Beobachtung derKapitulationen und Bündnisse ob. Uebrigens hatte es den Anschein,als weigere er sich keineswegs zur friedlichen Beilegung der Angele-genheiten zwischen dem Erzherzog und den Bündnern, das Deinigebeizutragen. Der Auftrag, das Schreiben zu erwiedern, so wie anderesnoch, wurde dem General und dem Kriegsrathe zu Theil, welche dieAntwort an den Abt zu Disentis sandten. Jul. Cäsar Cicer, welcherdie Bündner ermähnte, Boten nach Mailand zu senden, legte seineBriefe ebenfalls bei. Weder dem Oberanfübrer noch dem Kriegsrathmochte übrigens Feldkirch, weil auf österreichischem Gebiet gelegenund deßhalb verdächtig, als Ort der friedlichen Beilegung gefallen.

Man schrieb demnach an die Eidgenossen, sie möchten, wenn immerckhunlich, einen andern Ort in ihrer Gegend (man deutete auf Badenhin) bezeichnen. Bezüglich Niedcrlegung der Waffen verlangten wir,daß solches von Seite der Oesterreicher zuerst zu geschehen habe.

Ohne Zweifel hätte damals Alles unter bessern Bedingungen zumAbschluß gebracht werden können. Eben waren nämlich Mannsfeldund Halberstadt in das Elsaß gerückt und die Truppen des ErzherzogsLeopold wurden hiedurch daselbst festgehalten, aber man zögerte zulange und als Mannsseld wieder abzog, wälzte sich die ganze Kriegs-last auf die Bünde.

Auf dem nämlichen Bundstage erschien Francesco Stampa, einMann von aufrichtiger Gesinnung, mit Vollmachten Seitens derGrafschaft Cläven. Des spanischen Joches überdrüssig, wandten derenBewohner sich an die Bündner um Rath. Dcr Graf Joh. Serbellonihatte den Einwohnern des St. Jacobsthales den Befehl zugehen lassen,auf den vierzehnten Juli eine gewisse Anzahl Schanzgcäber, sechs-hundert Faschinen und ein festgeseztes Quantum Butter nach Clävenzu liefern; geschähe es nicht, so drohte er mit Feuer und Schwert.Ammann und Räthe im St. Jacobsthal suchten bei den benachbartenRheinwaldern, welche auf dem Splügnerberge einige Wachtpostenunterhielten, Rath und Unterstüzung. Dieser Brief kam nach Curvor den Bundstag und veranlaßte, daß derselbe sofort in verschiedeneMeinungen sich spaltete. Die Einen waren der Ansicht, man solle dieSpanier nicht versuchen, Andere wieder, die Compagnien Montaltaund ü Marea, die aber noch nicht gerüstet waren, müßten sammt denRheinwaldern und Schamsern als Hülsstruppen geschickt werden. Man

22