Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
406
JPEG-Download
 

406 Bricht nach Schleins in das Unterengadin ein,

1623. Stunden nach Jschgl und am nämlichen Tage noch über den Sebles-berg " in's Samnaunerthal, das zum untern Engadin gehört. Hierwurden sie von Baldiron und seinem Regiment, den Veltlinern unterCarl Robustell, einer Reiterschwadron, welche Balästra commandirte,und dreitausendfünfhundert Tirolern erwartet, die von Christes JacobLichtenstein und Joh. Christas Fuchs befehligt wurden. Oberanführerwar zwar der Graf v. Sulz, doch commandirte Baldiron diejenigen,welche er mitgebracht hatte, in eigener Person. Der Kapuziner PaterAlepius, als Laie Friedrich Sylva von Speyer, und sein Gefährte,der Pater Pius, einst Johann Caspar v. Castelmur, aus den Bündenstammend, segneten kraft der ihnen vom Papste ertheilten VollmachtFahnen und Waffen nach herkömmlicher Weise ein. Das Samnauner-thal wurde bis auf wenige Häuser gänzlich durch Brand verwüstetund jeder, dem man begegnete, niedergemacht,so. N„g. Am Dienstage den 30. August hatten die Oesterreichs vor, gegenArdez in's Engadin zu brechen. Die falsche Nachricht, daß zehn Com-pagnien sie auf Lei» Berge erwarteten (es waren aber nur achtzek»Mann), bewog sie jedoch an diesem Tage über Zampuoir ^ nachSchleins in's Engadin zu kommen. Ein Engadincr, Simon Janett,den Pater Alexius in seinem Berichte irrthümlich Joh. Martin nennt,wies ihnen den Weg. Graf Alvic schlug während der Nacht sei»Quartier in der Kirche auf, doch fanden nicht mehr als tausend MannPlaz im Dorfe und die Nebligen mußten theils im Walde, theils aufdem Berge übernachten. Dabei kamen zwölf Soldaten, von welchensieben in die Compagnie Steiubocks gehörte», vor Kälte um.

Diese treffliche Gelegenheit wurde von den Bündnern leider ver-säumt. Nur zwölf Engadinec waren zur Hut des Berges bestellt.Ware dieser aber rechtzeitig besezt worden oder hätte man wenigstensdie Ermüdeten angegriffen, so wären sie sehr leicht zurückzuschlagengewesen. Auf der ander» Seite hatten sich nun auch in der Nähe derSt. Martinsbrücke Feinde gezeigt, welche zu Nauders einen tragbarenSteg zusammengesezt hatten, um mittelst desselben über den Jnn zu

welchen man von Galthür nach Pattenen im Montafun gelanft. 8ur8ainas bei Vulpius.

" Zebles auf der Dnfour'schen Karte.

in Ein Bergthal, das Spiß gegenüber sich öffnet und durch einenSattel vom eigentlichen Engadin getrennt ist. Das Thalwaffer mündelin den Schergenbach.