Der Proceß Curtabatti's zu Cläven.
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Gesamdte Mesmin legte sich zu seinen Gunsten iin's Mittel und schrieban die Clävner. Er sandte auch den königlichen Dollmetsch, JohannPaull, dahin, damit man Curtabatti ihm zu Liebe und unter Caution,daß er nichts weiter unternähme und aus der dortigen Gegend ent-fernt würde, entließe. Die Entscheidung der Sache wurde aber dergesammten Bevölkerung anheimgestellt, welche sich Sonntags, den 6.Februar, versammelte und der Gerechtigkeit ihren Lauf zu lassen be-schloß. Doctor Mora, der sich Commissarius von Cläven nennen ließ,reiste nach Mailand, um über diese Sache Gonsalvo zu berathen.Darauf schickten die Clävner, angeblich um sicherer Verwahrung hal-ben Curtabatti auf die Beste Fuentes, doch unter der Bedingung, ihnauf jeweiliges Verlangen wieder reclamiren zu können. Freitags den12. Mai kam dann der Vicar der Inquisition zu Como, mit zwölfGäumern aus Como nach Cläven und verlangte, daß ihm in Gemäßheitdes von der Congregation der Propaganga zu Rom erlassenen Breve'Svom 8. April, der Gefangene übergeben würde. Mittwochs den 24.Mai fand dann durch Doctor Mora zu Gravedona die Auslieferungdesselben an die Inquisition und seine Abführung nach Como statt.
Um den augenfälligen Beweis zu liefern, daß sie sich um dieBündner auch nicht im Geringsten kümmerten, erließen die Veltlinerunter dem Jacob Robustells, Landshauptmann, ein Decret, wonachdie Münzen in ihrem Werthe herabgesezt wurden. Am 27. des näm-lichen Monats trat ihre Obrigkeit, wie sie selbige nannten, in ihr Amtein. Von Mailand zurückkehrend, brachte Francesco Ulmo fünfhundertHakenbüchsen sammt Zubehör, ein Geschenk Gonsalvo's, nach Delebbio,von wo aus sie später im Veltlin vertheilt wurden.
Mit einer großen Anzahl kaiserlicher Reiterei, welche nach Schwabenkam, rückte auch ein Theil der Schwadron Alexander Ciconias nachVaduz an die Bündner Grenze. Wegen dieser kriegerischen Nachbar-schaft wurde am 12. März die Tagsazung zu Baden abgehalten. DieBündner sandten den Bürgermeister Gregorius Meyer dahin. Eszeigte sich ein großer Eifer in der Vertheidigung des Vaterlandes so-wohl bei den Eidgenossen als den zugewandten Orten. Die Bündnerhoben sechstausend Mann aus und erließen am 30. März ein Schrei-ben über Alles dieß an den allerchristlichsten König. An AlexanderCiconia's Stelle trat übrigens später eine Compagnie Fußvolk, dieam 12. Mai wieder abzog.
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