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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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Die Bündner verbieten Werbung und Durchpaß. 581

da»? Münsterthal ihre Richtung auf das Veltlin nahmen, während 162»wieder Andere in der Eidgenossenschaft und den Bünden Kriegsvolkwarben, sahen sich die Häupter veranlaßt, einen im lezten Jahre er-lassenen Beschluß, wieder in's Gedächtniß zurückzurufen, daß nämlichNiemand, bei schwerster Strafe, Truppen werbe, solchen den Paß ge»statte oder ihnen Quartier gebe. Bevor sie diesen Beschluß veröffent-lichten, begaben sich die Häupter Donnerstags den 15. Juni zumfranzösischen Gesandten, welchen sie darüber beriethen. Es verlangtederselbe zwar, daß die Venetianer und der Herzog von Mantua davonausgenommen würden, aber nichtsdestoweniger kam Tags darauf, den16. Juni, der Beschluß mit allgemeiner Geltung und ohne Vorbehaltzu Gunsten irgend Jemands zur Publication. Hierüber nicht wenigempfindlich, verlangte der Gesandte, daß die Sache vor den Bundstaggebracht würde. Die Häupter oder der Staatsrath aber meinten, dießhänge von den Gemeinden ab, denen sie die Sache vorlegen wollten.

Sonnabends darauf, den 17. Juni, wurde ein Schreiben Hiero-nymo Cavazza's, venetianischen Residenten in Zürich, mit dem Datumdes lezten Donnerstags, im Staatsrathe verlesen, worin er für zwölf-hundert Mann unter Oberst Joh. Peter Escher um den Durchpaßdurch die Bünde nachsuchte. Man antwortete Cavazza, dieß hängenicht vom Staatsrathe, sondern von den Mehren der Gemeinden ab.Hauptmann Stephan Thys sollte ebenfalls sechshundert Mann fürden Herzog Carl von Mantua anwerben und einen guten Theil unterseinem eigenen Befehl, die Uebrigen unter David Tscharncr dahinfübren. Jacob Wiezel, Joh. Hößli, Joh. Peter Sacco, Joh. Bapt.

Danz, Raphael Sacco, sämmtlich Bündner und Giov. Battista Sub-via, ein Veltliner, hatten ebenfalls für Venedig Compagnien geworben.

Es wurde deßhalb Montags den 26. Juni zu Cur, wo der Staats-rath beisammen saß, der gedachte Beschluß durch den Ausrufer aber-mals bekannt gemacht; auch Wachtposten an den Straßen aufgestelltund Freitags den 14. Juli, nachdem der Beschluß durch die Gemein-den bereits bestätigt und dem Staatsrath die Vollmacht zur Bestrafungder Fehlbaren gegeben worden war, nahm man fünfzig Soldaten vomRegiment Joh. Peter Eschers auf dem Passe Gungels gefangen, stelltesie vor den Staatsrath zu Cur und verurtheilte sie decimirt zu werden,d. h. jeder Zehnte, durch das Loos dazu bezeichnete, sollte zur Strafeaufgewunden werden, was die Strapata genannt wird. Doch ließ