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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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Ratifikation desselben zn Tuns.

1686 nnd 15000 im Kriege. Alle übrigen Oberherrlichkeitsrechte solltenden Bündnern vorbehalten bleiben nnd sie befugt sein, dieselben durchProveditorcn auszuüben und zu verwalten.

Die Gemeinden verlangten eine Modifieation dieser Artikel haupt-sächlich in Bezug auf die Religion, rie Aufenthaltsbefugniß ° der Pro-testanten, das Recht der Begnadigung und der Appellation. Im MonatMärz wurden deßhalb zum Herzog von Rohan als Boten abgesandt:Johann Schorsch, Georg Jenatsch und Johann Tscharner, wobei zwarmancherlei genauer und besser festgesezt wurde, der Artikel der Religionund Justizverwaltung aber immerhin unverändert blieb.

Als die Veltliner und Bewohner der Grafschaften dann erfuhren,daß rie bündnerischen Depntirten in Betreff der Artikel der Religionund der Justizpflege dem Herzog von Nohan gegenüber nachgegebenhätten, erklärten sie sich am 18. Januar zu Unterhandlungen bevoll-mächtigt, brachten am 22. desselben Monats die Ratifikation derGemeinden bei und schrieben dann am 23. Februar an den allerchrist-lichsten König, da die Bündncr dem Willen Ihrer Majestät sich unter-würfen, wollten sie sich ebenso wenig widerspenstig zeigen und bätenlediglich darum, daß ihre Religion, ihr Leben und ihre Güter ihnenunverkümmert bliebe». ^

Endlich wurde» dann auf dem Beitag zu Tusis, den 11. April,nicht ohne heftige Einrede und »ach schlauer Vereinigung der einzelnenStimmen die Artikel angenommen. Da aber Ihre allerchristlichsteMajestät sechzigtausend französische Livrcs in baar nnd zwanzigtausendnach einem Jahre versprochen hatten, sügte man noch die Klausel bei,daß wenn nicht alle Artikel pünktlich zur Vollziehung kommen sollten,die Bündner auf keine Weise verpflichtet wären.

° Während nur zweier Monate

' Nach Qnadrio II. 475 antwortete der König von Frankreich am13. Juni in den höflichsten, liebreichste» Ausdrücken, nannte sie seineliebe» Veltliner ssnai enrissimi), versprach die von Rohan vorgeschla-genen nnd von den Veltliner» bereits angenommenen Artikel zu ihrenMinisten abzuändern, indem er wolle, daß die bündnerische Obcrherr-lichkeit z» einem bloßen Schalke» schwinde. (Im suvriniits cle'gunli n»nvoleva o>-Ii, ol,e lasse, 5« nnn per vmlirn.) Ja er ging so weit, dieZaklnng des jährlichen Tributs an die Bündner z» seinen Laste» znübernehmen. In dieser Freundschaft für das Bcltlin sieht Qnadrio dieUrsache, warum Frankreich nicht »nr dasselbe, sondern auch die Bündeverlor. Es war in der That die Nemesis der verrätherischcn PolitikFrankreichs.