Die spanisch-österreichischen Pratiken beginnen.
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Vorher schon hatten bie evangelischen Prediger ein äußerst ernstes 1636Schreiben an den Herzog von Rohan gerichtet und ihn ermähnt, seinGewissen nicht damit zu beschweren, daß er den Bündnern die freieUebung des evangelischen Glaubens und das Recht über Lebe» undTod in der Unterthanenlanden entzöge, — etwas, womit auch ihreFeinde im Madrider Vertrage einverstanden gewesen seien. In ähn-lichem Sinne war auch von den Zürchern und Bernern zweimal ge-schrieben worden, zuerst an den bnndnerischen Rath, dann an dieGemeinden selbst, mit dringenden Vorstellungen, daß sie sich dieCrimiualgcrichtsbarkeit nicht nehmen lassen und ihren Unterthanenselbst in die Hände geben sollten. Diese Briefe wurden aber in derSizung nicht vorgelesen. Franpois Lasnicr, welcher am 29. Februarals Gesandter, Jnstizverwalter und Intendant des Heeres in die Bündegekommen, nebst Priolean und Ienatsch, waren anwesend und dräng-ten auf die Annahme.
Nach einer ziemlich langen Pause antwortete» dann die bünd-uerischen Häupter den evangelischen Eidgenossen, wobei ihnen Rokanselbst die Erwägnngsgründe für die Annahme der Artikel angab. Die-selben, so lautete die Erwiederung, seien höchst förderlich für den öffent-lichen Frieden und die Ruhe des Landes und auf diese Weise würdeder Hispanismns für immer ausgeschlossen.
Dieß war aber eben nicht der Fall, denn fast zur nämlichen Zeitsandte der Graf Serbelloni den Hieconvmv Eorte von Gravedona indas Misorerthal und ließ in der Stille ausstreuen, die Spanier wür-den das Veltlin den Bündnern unter weit günstigeren Bedingungen,nämlich unbeschränkt zurückgeben, wenn diese den Franzosen den Ab-schied gäben und mit dem König von Spanien ein Bündniß schlössen.Roban selbst war dieses nicht verborgen, aber er vertraute einigenSchmeichlern, welche die Versprechungen der Spanier für leere Worteausgaben. Ienatsch selbst aber und einige andere der vorzüglicherenfranzösischen Pactheigänger gestanden es nach Abzug der Franzose»selbst ein, daß sie diese Kapitulation einzig deßhalb befördert hätten,um sowohl den Herzog von Rohan als die Franzosen den Prädieantc»,Eidgenossen und vielen Bündnern, welche gegen die nur imaginäreRestitution eingenommen waren, verhaßt zu mache» und dadurch ander»Verträgen, mit den benachbarten Mächten ^ den Weg zu bahnen.
s Tpanien, als Obcrherrn des Herzoglhuins Mailand.