286 Ansprüche -er evang. Unterengadiner auf rie Gotteshäuser.
1639. Inzwischen zog, ungefähr tausend Mann stark, in einzelnen Ab-theilungen und unbewaffnet, das Regiment des Maltheserritters Forst-meister durch die Bünde nach Mailand.
Auch Graf Biglia warb ein deutsches Regiment, dessen größererTheil ebenfalls seinen Weg durch die Bünde auf Mailand nahm.Ausgehenden Juli erschlugen zu Ems einige Burgunder aus diesemRegiment den Knecht Conradin Planta's zu Räzüns, einen Franzosen,Namens Marriot, wofür der Anstifter, ein Fähndrich, zu Räzüns mitdem Kopfe büßte.
Gemäß den über Religionsverhaltnisse in den Bünden aufgestelltenGrundgesezen, welche der vorwiegende» Confesfion, mag ste evangelischoder katholisch sein, die Kirchen und kirchlichen Einkünfte zuspricht,erhoben nun die Unterengadiner Ansprüche darauf, wobei sie sich auchnoch darauf beriefen, daß die österreichischen Commiffarien im leztenMonat Juli den nämliche» Beschluß gefaßt hätten. Sie verlangtendeßhalb Ende dieses Monats März, daß ihnen von den Kapuzinerndie Kirchen eingeräumt würden, da man im ganzen Unterengadin keinefünfzig, ja nur sechsunddreißig Katholiken zähle, während die Zahl derEvangelischen auf dreitausend steige. Darauf hin zogen Jene in derThat aus Schuls und Sins ab, blieben jedoch zu Zernez in derWohnung des Ritters Rudolf Planta, welche derselbe ihnen als Legattestirt hatte.
Der Bischof von Cur brachte hierauf den Marqnese Leganez dahin,daß er dem Grafen Biglia den Auftrag gab, beim bündnerischeu Ratheauf die Restitution der Kirchen zu drängen. Auch sandte Graf Bigliaeine persönliche von Drohungen begleitete Protestation in das En-gadin. Die Bewohner des Leztern aber meinten, wenn die Spanierim Widersprüche mit den abgeschlossenen Artikeln in die innern An-gelegenheiten des Landes sich einmengen wollten (in der That schriebder zweite Artikel des Bündnisses vor, daß sie weder um kirchlichenoch politische Dinge sich zu kümmern hätten) könne man darausleicht abnehmen, wie sie die übrigen Punkte zu beobachten gedächten.Auch der bündnerische Rath hatte den Unterengadinern zu wiederholtenMalen geschrieben, nachzugeben, doch war es vergeblich. Ihre Erwie-derung lautete, sie gedächten keineswegs die Katholiken iu der Uebungihres Glaubens zu beschränken, aber Kirchen und Pfarrhäuser kämenihnen von Rechtswegen nicht zu. Da nun die drei zu Schuls nieder-gelassenen katholischen Familien ihre Wohnungen zur Abhaltung der