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Friedrich der Große.
keit zwischen tausend Dingen getheilt war und der niemals einjuristisches Buch zu Ende gelesen hatte. Der ihm von den Ge-richtshöfen entgegengesetzte Widerstand entflammte ihn zurWuth. Er schalt seinen Kanzler aus. Er stieß seine Richter indie Schienbeine. Es ist wahr, er hatte nicht die Absicht, unge-recht zu handeln. Er glaubte fest, daß er recht thue und dieSache des Armen gegen den Reichen vertheidige. Glcichwoblthat dieses wohlgemeinte Einmischen wahrscheinlich mehr Scha-den , als die gestimmten Ausbrüchc seiner üblen Leidenschaftenwährend des Ganzen seiner langen Regierung. Wir könntenuns darein zu finden wissen, unter einem Lüstling oder einemTyrannen zu leben; aber von einem Vielgeschäftigen regiert zuwerden ist mehr, als die menschliche Natur ertragen kann.
Dieselbe Leidenschaft für Dirigiren und Reguliren zeigtesich in jedem Theile der Politik des Königs. Jeder jungeMensch von einer gewissen Stellung im Leben war genöthigt,gewisse Schulen innerhalb der preußischen Gebiete zu besuchen.Wenn ein junger Preuße sich, der Studien halber, sei es auchnur auf wenige Wochen, nach Leyden oder Göttingen begab, sowurde das Vergehen mit Ausschließung von Civilstcllen undzuweilen mit Vermögensconfiscation bestraft. Niemand sollteohne königliche Erlaubniß reisen. Wenn die Erlaubniß ertheiltward, so wurde das Taschengeld des Touristen durch königlicheVerordnung festgestellt. Ein Kaufmann mochte 250 Reichs-thaler in Gold mitnehmen; einem Edelmann war gestattet, 400mitzunehmen ; denn es mag im Vorbeigehen bemerkt werden,daß Friedrich beflissentlich den alten Unterschied zwischen denAdeligen und dem Bürgerstande aufrechthielt. In der Theoriewar er ein französischer Philosoph, in derPraris aber ein deut-scher Fürst. Er sprach und schrieb über die Vorrechte des Blu-tes im Tone Sieycs'; aber in der Praris sah kein Capitel im