Friedrich der Große.
51
daß der ärmste Schriftsteller jener Zeit in London,, der auf einemBudertisch schlief, in einem Keller speiste, eine Cravatte vonPapier und einen Holzspeiler statt Busennadel trug, ein glück-lichere: Mensch war, als irgend einer der literarischcn Genossenvon Friedrich's Hof.
Doch von Allen, die den bczaubcrtcn Garden im Rauschedes Entzückens betraten und ihn in Krämpfen der Wuth undSchani verließen, war der Merkwürdigste Voltaire. Umständehatten ihm den Wunsch eingeflößt, entfernt Von seinem Vater-lande eine Heimath zu finden. Sein Ruhm hatte ihm Feindeerweckt. Seine Reizbarkeit gab ihnen einen furchtbaren Vor-theil über ihn. Sie waren zwar verächtliche Angreifer. Vondem allen, was sie gegen ihn schrieben, hat nichts fortgelebt, alswas er selbst aufbewahrt hat. Doch die Verfassung seines Ge-müths glich der Constitution jener Körper, in denen der ge-ringste Ritz an einem Dornstrauch, oder der Stich einer Mücke,niemals verfehlt, zu schwären. Obgleich sein Ruf durch dieSchmähungen solcher Schriftsteller wie Fröron und Desfontai-ncs eher erhöht, als verringert ward, obwohl er an Fröron undDcsfontarnes eine Rache nahm, im Vergleich mit welcher Aus-peitschen, Brandmarken, der Pranger eine Kleinigkeit gewesenwären, so hat man doch Grund, zu glauben, daß sie ihm größe-ren Schmerz verursachten, als er jemals ihnen. Obwohl erwährend seines eignen Lebens den Ruf eines Klassikers genoß,obwohl er von seinen Zeitgenossen über alle Dichter, Philosophenund Geschichtschreiber erhoben ward, obwohl seine Werke zuMoskau und Westminster, zu Florenz und Stockholm mit eben-soviel Entzücken und Bewunderung gelesen wurden, wie zu Pa-ris selbst, so wurde er doch durch jene ruhelose Eifersucht ge-quält, von der man denken sollte, daß sie nur Geistern zukäme,die von dem Verlangen nach Ruhm glühen und sich doch ihrer
4 *