Band 
Fünfter Band.
Seite
50
JPEG-Download
 

50

Friedrich der Große.

waren Hunde, geschaffen, mit derselben schwanzwedclnden Ge-duld Knochen und Fußstöße hinzunehmen. ES ist fürwahrschwer, zu begreifen, wie irgend etwas Geringeres, als die Wuthdes Hungers, Menschen vermögen konnte, das Elend zu ertra-gen, die Gesellschafter des großen Königs zu sein. Es war keineinträglicher Posten. Se. Majestät war so streng und haus-hälterisch bei seinen Freundschaften, wie bei andern Kosten seinesHaushaltes, und ebenso ungencigt, einen Reichsthalcr zuviel fürseine Diners auszugeben. Die Summe, die er einem Dichter,oder einem Philosophen bewilligte, war die allerkleinste, fürwelche ein solcher Dichter oder Philosoph vermocht werdenkonnte, stch in die Knechtschaft zu verkaufen, und der Leibeigenekonnte stch glücklich schätzen, wenn das, was so verdrossen gege-ben worden, nicht, nach Jahren des Leidens, rau und willkür-lich wieder entzogen ward.

Potsdam war in Wahrheit, was es von Einem feiner be-rühmtesten Insassen genannt worden, der Palast der Alcina.Auf den ersten Anblick schien es ein reizender Punkt zu sein,wo den glücklichen Abenteurer jeder geistige und physische Ge-nuß erwartete. Jeder neue Ankömmling wurde mit eifrigerGastlichkeit empfangen, mit Schmeichelei berauscht und zur Er-wartung von Glück und Größe crmuthigt. Es war umsonst,daß eine lange Folge von Günstlingen, die diesen Ort mit Ent-zücken und Hoffnung betreten hatten, und die, nach einer kurzenFrist trügerischen Glückes, vcrurtheilt worden waren, ihre Thor-heit durch Jahre des Elendes und der Entwürdigung zu büßen,ihre Stimmen erhoben, den Bewerber zu warnen, der stch derbczauberten Schwelle nahte. Einige besaßen Klugheit genug,die Wahrheit zeitig zu entdecken, und Muth genug, zu fliehen,ohne rückwärts zu blicken; Andere zogen sich hin zu einem freu-denlosen und ungeehrten Alter. Wir stehen nicht an, zu sagen,