Band 
Fünfter Band.
Seite
73
JPEG-Download
 

Friedrich der Große.

73

Auch war Fricdrich's eigne Ansicht nicht diel anders. Ersah nichr viel weniger als sein eignes Verderben und das Ver-derben seines Hauses voraus. Indeß gab es noch eine Möglich-keit, eine schwache Möglichkeit, der Rettung. Seine Staaten hat-ten wenigstens dcnVortbeil einer centralen Position; seine Feindewaren weit von einander getrennt, und konnten ihre erdrücken-den Kräfte nicht bequem auf Einem Punkt vereinigen. Siebewohnten verschiedene Himmelsstriche, und es war wahrschein-lich, daß die Jahreszeit, die den militairischcn Operationen deseine» Theiles der Verblendung die entsprechendste gewesen wäre,denen eines anderen Theiles ungünstig sein würde. Diepreußische Monarchie war zudem frei von einigen Gebrechen,welche in weit ausgedehnteren und glänzenderen Reichen vorka-men. Ihre wirkliche Kraft zu einem verzweifelten Kampfe warnicht bloß nach der Zahl der Quadratmeilen oder der Zahldes Volkes zu messen. In diesem spärlichen, aber gutgefügtenund gutgcübten Körper gab es nichts als Sehne und Muskelund Knochen. Keine Staatsgläubiger sahen nach Dividendenauf. Keine entlegene» Colonicn brauchten Vertheidigung. Keinmit Schmeichlern und Maitrcssen gefüllter Hof verzehrte denSold von fünfzig Bataillonen. Die preußische Armee, wennauch an Zahl weit geringer, als die Truppen, die in Begriffwaren, ihr entgegengestellt zu werden, war gleichwohl außerallem Verhältnisse zu dem Umfang der preußischen Gebietestark. Sie war auch bewundernswürdig ausgebildet und be-wundernswürdig mit Officieren versehen, gewohnt, zu gehor-chen, und gewohnt, zu siegen. Das Einkommen war nicht bloßunbeschwert mit Schulden, sondern überstieg auch die ordentlicheAusgabe in Friedenszeit. Friedrich allein unter alle den euro-päischen Fürsten hatte einen Schatz für einen Tag der Bedräng-niß zurückgelegt. Vor allem er war Einer und seiner Feinde