Band 
Fünfter Band.
Seite
85
JPEG-Download
 

Friedrich der Große,

85

Sie besitzen gute Eigenschaften. Aber Sie haben Einen ge-hässigen Fehler. Sie erfreuen sich an der Herabsetzung IhrerMitmenschen. Sie haben Schande auf den Namen eines Phi-losophen gebracht. Sie haben den Vcrlaumdungcn der Frömm-ler, die da sagen, daß auf die Gerechtigkeit oder MenschlichkeitDerer, die den christlichen Glauben verwerfen, kein Verlaß sei,einigen Anschein gegeben." Dann antwortet der König, miteiniger Hitze, aber gleicher Schärfe: „Sie wissen, daß Sie Sichin Preußen schmachvoll benommen haben. Es war gut fürSie, daß Sie es mit einem gegen die Schwächen des Genies sonachsichtigen Manne zu thun hatten, wie ich bin. Sie verdien-ten reichlich, das Innere eines Kerkers zu sehen. Ihre Talentesind nicht weiter bekannt, als Ihre Treulosigkeit und Ihre Bos-heit. Das Grab selbst ist keine Freistätte gegen Ihren Groll.Maupcrtuis ist todt; aber Sie fahren noch immer fort, ihn zuverläumden und zu verspotten, als wenn Sie ihn nicht schonunglücklich genug gemacht hätten, wie er lebte. Lassen Sie unsnichts mehr davon hören. Und vor allem lassen Sie michnichts mehr von Ihrer Nichte hören. Ihr Name macht mirzum Sterben übel. Ich kann Ihre Fehler um Ihrer Verdienstewillen ertragen; aber sie hat nicht Mahomcd oder Merope ge-schrieben."

Man möchte annehmen, daß ein derartiger Ausbruch noth-wendig allem freundschaftlichen Verkehr ein Ende gemacht hätte.Doch dem war nicht so. Mit jedem Ausbruch übler Launewurde dieses seltsame Paar liebevoller als vorher, und tauschteKomplimente und Versicherungen gegenseitiger Achtung mit ei-ner wunderbaren Miene der Aufrichtigkeit aus.

Es ist wohl vorauszusetzen, daß Männer, die so an einanderschrieben, in dem, was sie von einander sagten, nicht sehr ge-messen waren. Der englische Gesandte, Mitchell, welcher wußte.