Band 
Fünfter Band.
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Friedrich der Große.

öffentlichen Achtung herabgesetzt hatte. Sie bewunderten ein-ander. Sie bedurften einander. Der große König wünschte,durch den großen Schriftsteller der Nachwelt überliefert zu wer-den. Der große Schriftsteller fühlte sich durch die Huldigungdes großen Königs gehoben. Gleichwohl waren die Wunden,die sie einander geschlagen, zu tief, um verwischt, oder auch nurvollkommen geheilt zu werden. Nicht bloß die Narben blieben;die wunden Stellen eiterten oftmals und bluteten von Frischem.Die Briefe bestanden zum größten Theil aus Komplimenten,Danksagungen, Dicnsterbictungcn, Versicherungen der Zunei-gung. Aber wenn irgend etwas die listigen und boshaftenStreiche, durch welche Voltaire ihn gereizt hatte, in Fricdrich'sErinnerung zurückbrachte, brach irgend ein Ausdruck der Ver-achtung und des Misfallens mitten im Lobe heraus. Vielschlimmer war es, wenn irgend etwas dem Geiste Voltaire's dieMishandlungen zurückrief, die er und seine Verwandte zu Frank-furt erduldet. Ganz auf einmal wird sein fließender Panegy-rikus in eine Strafredc verwandelt. „Gedenken Sie, wie SieSich gegen mich benommen haben. Um Ihretwillen habe ichdie Gunst meines angebornen Königs verloren. Um Ihret-willen bin ich ein Verbannter von meinem Vatcrlande. Ichliebte Sie. Ich vertraute mich Ihnen an. Ich hatte keinenWunsch, als mein Leben in Ihrem Dienste zu beschließen. Undwas war mein Lohn? Des allen verlustig, das Sie mir ver-liehen hatten, des Schlüssels, des Ordens, der Pension, warich genöthigt, aus Ihren Gebieten zu fliehen. Ich wurde gejagt,als wenn ich ein Deserteur von Ihren Grenadieren gewesenwäre. Ich wurde verhaftet, beschimpft, geplündert. MeineNichte wurde von Ihren Soldaten durch den FrankfurterKoth geschleift, als wenn sie irgend eine elende Nachzügle-rin Ihres Lagers gewesen wäre. Sie besitzen große Talente.