134 Mirabeau und die französische Revolution.
hätten. Er hatte die theuersten Interessen desselben vernach-lässigt oder geopfert; aber er hatte seine Phantasie ergriffen.Gerade die Dinge, die ihn am unpopulärsten hätten machensollen, die Wunder von Lnrus und Pracht, mit denen seinePerson umringt war, während jenseits der Nmhcgung seinerParks nichts zu sehen war, als Elend und Verzweiflung, schie-nen die achtungsvolle Anhänglichkeit zu vergrößern, die seineUnterthanen für ihn empfanden. Daß Regierungen bloß fürdas Wohl des Volkes bestehen, scheint die augenfälligste undeinfachste aller Wahrheiten zu sein. Doch die Geschichte be-weist, daß sie eine der verborgensten ist. Wir können uns kaumwundern, daß sie so selten dem Geiste der Regenten gegenwärtigist, wenn wir sehen, wie langsam und durch wie vieles LeidenNationen zu ihrer Kenntniß gelangen.
Es gab allerdings Einen Franzosen, der jene Grundsätzeentdeckt hatte, die zu verfehlen jetzt unmöglich scheint: daß dieVielen nicht zum Nutzen Eines gemacht sind; daß die wahr-haft gute Regierung nicht die ist, welche die Pracht in einemHofe zusammendrängt, sondern die, welche unter einem VolkeGlück verbreitet; daß ein König, der Sieg aus Sieg gewinntund Provinz zu Provinz fügt, vielleicht nicht die Bewunderung,sondern den Abscheu und die Verachtung der Menschheit ver-dient. Das waren Lehren, welche Fönvlon lehrte. Als einepisches Gedicht betrachtet, kann der Telcmach kaum über Glo-vcr's Lconidas ober Wilkie's Epigoniadc gestellt werden. Alseine Abhandlung über Politik und Moral betrachtet, ist ervoll von Irrthümern im Einzelnen, und die Wahrheiten, die ereinschärft, scheinen einem neueren Leser allbekannt. Wenn wiraber den Geist, in dem er geschrieben ist, mit dem Geiste ver-gleichen, der die übrige französische Literatur jenes Zeitaltersdurchgingt, so werden wir erkennen, daß er, wenn auch an-