Band 
Fünfter Band.
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Johann Drydcn.

werden, bis zu wirklicher Qual stiege». Doch bei uns sind dieseBewegungen vergleichsweise matt. Sie greifen selten unsernAppetit oder unsern Schlaf an. Sie lassen uns ruhig genug,um sie zu ihren Ursachen zu verfolgen und die Kräfte zu wür-digen, die sie erzeugen. Unsre Aufmerksamkeit wird bald vonden Bildern, die unsere Thränen hervorruft», zu. der Kunst ab-geleitet, durch welche diese Bilder ausgewählt und verknüpftworden sind. Wir zollen dem Genie des Schriftstellers Beifall.Wir zollen unsre», eignen Scharfsinn und unsrer Empfänglich-keit Beifall, und wir find getröstet.

Indeß, obschon wir meinen, daß bei dem Fortschritt derNationen zur Verfeinerung die erörternden Vermögen auf Ko-sten der Einbildungskraft zunehmen, so erkennen wir doch an,daß es manche anscheinende Ausnahmen von dieser Regel giebt.Wir sind jedoch nicht ganz überzeugt, daß sie mehr als anschei-nende sind. Man erörterte z. B. in der Zeit Elisabeth's besser,als in Egbcrt's Zeit, und man schrieb auch bessere Gedichte.Allein wir müssen zwischen Poesie als einem geistigen Act undPoesie als einer Art der schriftlichen Abfassung unterscheiden.Wenn wir sie in dem letzteren Sinne nehmen, so hängt ihreTrefflichkeit nicht bloß von der Frische der Einbildungskraft,sondern zum Theil auch von den Werkzeugen ab, welche dieEinbildungskraft anwendet. Innerhalb gewisser Grenzen kanndaher die Dichtkunst sich heben, während das Dichtcrvermögenim Abnehmen ist. Die Lebendigkeit des dem Leser vorgeführtenBildes steht nicht nothwendig im Verhältniß zu der Lebendigkeitdes Urbildes, das in dem Geiste des Schriftstellers lebt. In denanderen Künsten sehen wir das klar. Würde ein von der Naturmit dem ganzen Genie eines Canova begabter Mann eine Sta-tue zu meißeln versuchen, ohne über die Handhabung seinesMeißels unterrichtet zu sein, oder die Anatomie des menschlichen