Band 
Fünfter Band.
Seite
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Johann Drhdm.

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Körpers zu beachten, so würde er etwas herausbringen, im Ver-gleich womit der Hochländer an der Thüre eines Schnupftabaks-ladens Bewunderung verdienen würde. Wenn ein uneinge-weihter Raphael ein Gemälde versuchen wollte, so würde es eineSudelei sein; in der That, die Kenner sagen, daß die frühestenWerke Raphael's nichts Besseres seien. Doch wer kann das einemMangel an Phantasie zuschreiben? Wer kann zweifeln, daß dieJugend dieses großen Künstlers inmitten einer idealen Weltschöner und majestätischer Formen verbracht wurde? Oder werwill den Unterschied, der zwischen seinen ersten rohen Versuchenund seiner prachtvollen Verklärung hervortritt, einer Aenderungin seiner Geistesverfassung zuschreiben? I» der Dichtkunst, wiein Malerei und Bildhauerkunst, ist es nöthig, daß der Nach-bildner mit dem, was er nachzubilden unternimmt, wohl be-kannt, und in dem mechanischen Theile seiner Kunst erfahren sei.Das Genie wird ihn nicht mit einem Wörterschatz versehen; eswird ihn nicht lehren, welches Wort am genauesten seiner Ideeentspricht, und sie am vollständigsten Anderen mittheilt; eswird ihn nicht zu einem großen beschreibenden Dichter machen,solange er nicht das Antlitz der Natur mit Aufmerksamkeit be-trachtet hat, noch zu einem großen Dramatiker, solange er nichtviel von dem Einfluß der Leidenschaft gefühlt und beobachtethat. Unterricht und Erfahrung sind daher nothwendig, nichtzu dem Zwecke, die Phantasie zu stärken, die niemals so starkist, als bei zum Erörtern unfähigen Leuten, bei Wilden, Kin-dern, Wahnsinnigen und Träumern, sondern zu dem Zwecke,den Künstler in den Stand zu setzen, seine Conceptionen An-deren mitzutheilen.

In einem barbarischen Zeitalter übt die Einbildungskrafteine despotische Gewalt. So stark ist das Erfassen des Un-wirklichen, daß es oft die gesammten Leidenschaften des Gemüths