Johann Drvden.
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Der erste Sieg des guten Geschmackes ist der über denSchwulst und die gezwungenen Einfälle, welche derartige Zei-ten entstellen. Doch ist die Kritik noch immer in einem sehrunvollkommenen Zustande. Noch lange Zeit wird das Zufälligemit dem Wesentlichen verwechselt. Aus speciellen Umständenwerden allgemeine Theoriecn abgeleitet. Wie viele Stundender Aufführung eines Stückes einzunehmen zu gestatten sei, wievieles Lächeln ei» epischer Dichter in seinem ersten Buche an-bringen dürfe, ob ein Stück, das, wie man anerkennt, einen An-fang und ein Ende hat, nicht ohne eine Mitte sein kann, undandere ebenso kindische Fragen beschäftigten ehedem die Auf-merksamkeit der Litcraten in Frankreich und selbst in diesemLande. Dichter legen, unter derartigen Umständen, die ganzeBeschränktheit und Schwäche der Kritik dar, durch die ihreManier gebildet worden ist. Zwar vor übertriebener Abge-schmacktheit werden sie durch ihre Zaghaftigkeit bewahrt. Abersie opfern beständig Natur und Vernunft den willkürliche» Vor-schriften des Geschmackes. In ihrem Eifer, die mala prolulnt»eines thörichten Eodcr zu vermeiden, stürzen sie beständig in diemala in so. Es ist wahr, ihre großen Vorgänger waren soschlechte Kritiker, wie sie, oder vielleicht noch schlechtere; aberdiese Vorgänger wurden, wie wir zu zeigen gesucht haben, voneiner von der Kritik unabhängigen Fähigkeit begeistert, undschrieben daher gut, während ihr Urtheil schlecht war.
Nachher fange» die Menschen an, vernünftigere und um-fassendere Ansichten über die Literatur zu erfassen. Die Ana-lyse der Poesie, die, wie wir bemerkt, im besten Falle unvoll-kommen sein muß, nähert sich »lehr und mehr der Genauigkeit.Die Verdienste der wundervolle» Muster früherer Zeiten werdengerecht gewürdigt. Die frostigen Erzeugnisse eines späterenZeitalters werden nicht höher, als nach ihrem wahren Werthe,