Band 
Fünfter Band.
Seite
322
JPEG-Download
 

322

Johann Driften.

Fall. Dic wenigen großen Werke der Phantasie, die in einemkritistrenden Zeitalter erscheinen, sind, fast ohne Ausnahme, dieWerke ungebildeter Menschen. So verfaßte, zu einer Zeit, woPersonen von Stande französische Romane übersetzten, und wodie Universitäten königliche Todesfälle in Versen über Tritonenund Faunen feierten, ein predigender Kesselflicker des PilgrimsWallfahrt. Und so setzte ein AckerSmann eine Generation,welche Haylcy und Bcaktie für große Dichter gehalten hatte,mit den Abenteuern Tom O'Schantee's in Staunen. Selbstin dem späteren Theile der Regierung Elisabeth's war die mo-dische Dichtkunst ausgeartet. Sie bewahrte noch einige Spurender Phantasie früherer Zeiten. Sie war noch nicht den Regelndes gurcn Geschmackes unterworfen worden. Madrigale undSonnete waren gänzlich von Geziertheit ergriffen. Die gro-tesken Einfälle und die klanglosen Verse Dunne's waren inJakob's Zeit dic Licblingsmuster der Schriftstellerei zu White-hall und im Tempel. Aber wenn auch die Literatur des Hofesim Verfall war, so war doch die Literatur des Volkes in ihrerVollendung. Die Musen hatten in den Theatern Zuflucht ge-sucht, benBcsuchsstätten einerClasse, deren Geschmack nicht besserwar, als der der Sehr Ehrenwcrthen und sonderlich gurcnLords,welche metaphysische Licbesgedichtc bewunderten, deren Phanta-sie aber ihre ganze Frische und Kraft bewahrte, deren Tadel undBilligung irrig ausgetheilt werden mochte, aber deren Thränenund Lachen niemals im Unrecht waren. Die Ansteckung, welchelyrische und didaktische Poesie ergriffen hatte, hatte das Dramanur leicht und thcilweise berührt. Während die Adeligen unddie Gelehrten Augen mit Brenngläsern und Thränen mit Erd-kugeln, Sprödigkeit mit einem Enthymema, Abwesenheit miteinem Paar Kompassen und eine unvergoltene Leidenschaft mitdem vierzigsten Hintermann bei einem Fideicommiß verglichen,