Band 
Fünfter Band.
Seite
381
JPEG-Download
 

Samuel Johnson.

381

einem krankhaften Hange zu Trägheit und Hinausschieben; eingütiges und großmüthiges Herz, mit einem trübsinnigen undreizbaren Wesen. Er hatte von seinen Vorfahren ein skrophu-löses Uebel ererbt, dessen Beseitigung über die Macht der Heil-kunde ging. Seine Eltern waren schwach genug, zu glauben,daß die königliche Berührung ein Specificuni für diese Krank-heit sei. In seinem dritten Jahre wurde er nach London hinaufgebracht, von dem Hofchirurgen besichtigt, die Hofkaplane bete-ten über ihm, und Königin Anna strich ihn und beschenkte ihnmit einem Goldstück. Eine seiner frühesten Erinnerungen wardie an eine stattliche Dame, mit einem Diamantlatz und einerlangen sckwarzen Haube. Ihre Hand ward vergeblich angelegt.Die Züge des Knabe», die ursprünglich edel und nicht unregel-mäßig waren, wurden durch seine Krankheit verzogen. Er ver-lor eine Zeit lang das Gesicht eines Auges, und sah mit demandern nur sehr unvollkommen. Doch die Stärke seines Geistesüberwand jedes Hinderniß. Wie lässig er auch war, er eignetesich mit solcher Leichtigkeit und Raschhcit Kenntnisse an, daß erauf jeder Schule, wohin er geschickt wurde, bald der beste Schü-ler war. Vom löten bis 18 ten Jahre hielt er sich zu Hauseauf und war sich selbst überlassen. Er lernte viel in dieserZeit, obschon seine Studien ohne Führung und ohne Plan wa-ren. Er plünderte die Regale seines Vaters, durchblätterte eineMenge Bücher, las was interessant war und überschlug dasLangweilige. Ein gewöhnlicher junger Mensch würde auf einemsolchen Wege wenig oder keine nützliche Kenntniß erworben ha-ben ; aber vieles, das für gewöhnliche junge Leute langweiligwar, war für Samuel interessant. Er las wenig Griechisch ;denn seine Fortschritte in dieser Sprache waren nicht so, daß erviel Genuß aus den Meistern der attischen Poesie und Bered-samkeit schöpfen konnte. Aber er hatte die Schule als ein guter