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eben so fürchterlich blitzen, als liebevoll lächeln, und strit-ten immer gerade und fest ihren Gegenstand; in demschönen, graziösen Munde, mit vollen und zart beweglichenLippe», drückte sich ein sonderbares, aber höchst angeneh-mes Gemisch von zarter Empfindung und von feiner Sinn-lichkeit, von wahrer Bonhommie und feinem Spotte aus;in dem schöne», tiefen, etwas hohlen Tone der Stimmeerklang riefe Innigkeit und die reinste Bonhommie. Dasganze Gesicht, die ganze Gestalt war immer voll Blutund Leben. Der ganze Mensch, zusammengenommen,war eben so sinnlich als geistvoll. Küche und Keller,Musik und Tanz, gesellige Fröhlichkeit, Theater, Poesieund Bcredtsamkeit, Philosophie und Literatur, — dasAlles hakte er von Jugend auf genossen, hatte ihn ganzbeschäftigt und beschäftigte ihn und gab ihm Genuß bisin sein hohes Alter. Sobald er die Regierung antrat,wußte er den sinnlichen Freuden, die er bis dahin mirallen Sinnen in hohem Grade genossen, sowie der Be-schäftigung mit spekulativen Wissenschaften und mit denschönen Künsten, denen er bis dahin ganz gelebt hatte,Schranken zn setzen. Aber er wußte auch wieder durcheine weise Eintheilung seiner Zeit und durch die strengsteBeobachtung der eingeführten Ordnung zu Allem Zeit undRaum zn schaffen. Seine Regierungsgcschäfte, die aucher selbst und allein besorgen wollte, beschäftigte» ihnhöchstens 2 — 3 Stunde» des Tages und das Militär,außer der eigentlichen Erercierzeit, keine Stunde. Derganze übrige Tag war und blieb den Wissenschaften undKünsten und dem Verkehre mit den ausgezeichnetstenMenschen seiner Zeit und dem frohesten, üppigsten Lebens-genuß gewidmet, sür welchen er sich Blüthe, Saft undMark alles Schönen, Angenehmen und Wohlthätigen an-zueignen wußte. Eristirte je ein vollkommener Repräsen-tant der ganzen menschlichen Natur mit all' ihren Ver-mögen und Schwächen, so war es Friedrich; hat je einMensch das Leben mit all' seinen Widerwärtigkeiten und