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Jahren den Ossia» vor allen anderen Dichtern, dessenrrübe, farbenlose Natur ihn mit besonderer Sympathie an-sprechen mochte.
Jetzt beschäftigt ihn Lektüre sehr selten; auch Spie-le», Jagen und Reiten liebt er nicht, wiewohl ereinige Hundert der schönsten Jagdpfcrde und Jagdhundealler Art, als zu einem vollkommenen Hofstaate gehörig,auf dem Stalle hat. Herrschen ist seine einzige Lei-denschaft und Beschäftigung, und da er nie andere, alsmilitärische Studien getrieben hat, — die er daher auchallein schätzt und für die Schulen anordnet — und doch,wie alle Selbstherrscher, die Neigung hat, Alles selbst ent-scheiden, ja sogar anordnen und manchmal wohl auch selbstmachen zu wollen: so beschäftigen ihn die Staatsgcschäftewirklich Tag und Nacht. Man hat ihn, den Helden desTages oft mit Friedrich, dem Helden dcS siebenjährigenKrieges und dem vollendeten Staatsmanne vergleichenwollen und in Beider Gesinnungs-- und Handlungsweiseviel Aehnliches zu finden geglaubt, und. er selbst liebt, wiees scheint, diese Idee, hat auch Friedrichs Büste in seinemArbeitszimmer stehen. Wer indessen Gelegenheit hatte.Beide näher zu beobachten, wird vielleicht nie zwei ver-schiedenere Menschen gekannt haben, denn sie sind sichin Physiognomie und Charakter, in Neigungen, Lebens-weise und Beschäftigungen fast ganz entgegengesetzt.Friedrich war zwar auch nicht viel über 5' hoch, hatteaber eine» gedrungenen, festen und fleischigen Körperbau,von den angenehmsten Verhältnissen bis auf den Kopf, derfür die Gestalt ungewöhnlich groß war. Aber dieser Kopfwar einer der schönsten, ausdrucksvollsten, kräftigsten undzugleich, angenehmsten, den die Natur wohl je hervorge-bracht hat. Aus einer schön- und sanftgewölbtcn Stirnedrang die Nasenwurzel gerade und kräftig hervor, derbreite, kräftige, ungcwölbte Nasenrücken endigte in sehrfeine, bewegliche Nüstern; große, herrliche, blaue Augenvom schönsten Schnitt und hellleuchtendcr Farbe, konnten