Clerdon an Sylli.
Den 8ten März.
Liebste Sylli, daß Du so lange nicht schriebest! Wiralle zerbrechen uns die Köpfe darüber; die gute Ama-lia, die Nichtchen und ich; jeder nach seiner Weise.Aber nächsten Sonnabend kommt sicher ein Brief vonDir; denn ich weiß, Du lässest meinen jüngsten keinenTag unbeantwortet. In Fällen, die das Herz ange-hen, will ich alles Gute mit weit größerer Zuverlässig-keit von Dir, als von mir selbst, voraussagen; dennSylli kann da nicht straucheln. Du seufzest doch wohlnicht über meinen starken Glauben?
Hier bey uns solltest Du jetzt seyn, liebste Sylli;daß wir Dich mit in unsere Reihen schlängen, denneuen Frühling zu umtanzen. Die unwiderstehlicheWonne des gestrigen Tages mußt auch Du gefühlt ha-ben. Mich hat sie ganz durchdrungen, und sich wiegelagert in mein Gebein. Mir ist, wie einem Jüng-linge, der so eben aus eines frommen Mädchens Augesich die Seele voll Liebe und Hofrmng getrunken hat;so froh, und zugleich so heimlich, im Busen.