Band 
Erster Band.
Seite
276
JPEG-Download
 

das Leben selbst, und hätte doch kein Leben. DamitGenuß des Lebens entstehe, muß es zu etwas angewen-det, muß es gebraucht werden, einen Gegenstand,Zweck und Inhalt erhalten. Durch Anwendung,Gebrauch und Inhalt wird das Leben erst lebendig;es entwickelt sich in ihm ein Daseyn; es entsteht einePerson.

Gehe nur gerade in dich selbst zurück; entäußeredich für einen Augenblick aller der Erkenntnisse, welchedir im Gebrauch des Lebens und durch ihn gewordensind; lasse für diesen Augenblick dein Gedächtniß aus-gelöscht seyn: — was bleibt dir nach einer solchenAusleerung von deinem Wesen übrig? Nichts als eineganz unbestimmte Vorstellung eines reinen Lebensprin-cips , ähnlich der Vorstellung des leeren Raums undder leeren oder reinen Zeit, ohne Eigenheit, ohne In-dividualität, ohne irgend ein Merkmal des Wesens,von dem du gegenwärtig das klare Bewußtseyn hast,daß es deine Person, daß es Ernestine ist.

Was dir also deine eigenthümlichen Begriffe,Urtheile, Vorstellungen in ihrem individuellen Zusam-menhange sichert, das sichert dir dein eigenthümliches