Ganz und rein kann der Mensch die Wahrheit nicht em-pfangen; er sieht sie nur im Bilde, in einem Bilde,das ihm gleich ist. Wie die Gottheit selbst, ist dieWahrheit überall und nirgend; Alles, und Nichtsvon allem. Laßt uns keine ihrer Erscheinungen ver-achten ! Aber auch keine so verehren, als wäre sie ineigener Gestalt die Wahrheit, die hier ganz und Einfür allemal erschienen wäre. Das kann sie nicht-, undaller Bilderdienst , womit man sie zu ehren meint, istihr ein Gräuel.
Siehe da, liebe Ernestine, die Quelle meinerDuldung, meiner Ruhe, meines Muths. Eine Formund Gestalt müssen alle Dinge haben, und einem Din-ge alle Gestalt nehmen, hieße so viel als es vernichten.Doch ist es nicht die Gestalt was die Sache hervor-bringt, sondern es ist allemal die Sache, die irgendeine Gestalt nur annimmt. Freilich irgend Eine auchnothwendig annehmen muß, und zwar eine ihr ange-messene, eine, worin sie sich darstellen kann: dadurchwird die Gestalt, Gestalt der Sache, überhaupt G e-stalt. Alle die verschiedenen Sprachen, welche Men-schen geredet haben und reden, Indische, Griechische,Lateinische, Gallische, Deutsche, sind so viele zufällige