Stiche gelassen worden, den ich dann auch wieder imStiche ließ; doch ohne darum zn den Epikuräern,überzugehen. Denn das ist mir von Kindesbeinen an
— ich sage wohlbedachtig, von Kindesbeinen an
— sonnenklar gewesen, daß die Würde des Menschennicht in dem Streben nach Glückseligkeit bestehen kön-ne, sondern einen andern Grund und ein andres Zielhaben müsse, wenn es wahr seyn soll, daß dem Men-schen eine Würde zukomme. Eine Tugend, die nichtsich selbst Zweck ist, sondern, als Mittel zur Glück-seligkeit, ihren Werth erst borgen muß, flößt mir keineEhrfurcht ein, und laßt mich ohne Hoffnung einer hö-heren Bestimmung, ohne Ahndung eines höheren Ur-sprungs. Was mein Herz und meine Vernunft mirhierüber offenbarten, dasselbe ist es, was Kant aufeine jedem Verstände faßliche Weise darzulegen gewußthat. Er löst den Knoten der zwey verschiedenen, ein-ander so oft schnurstracks entgegen wirkenden Triebeauf folgende Weise.
Gut, rechtschaffen zu seyn, befiehlt mir das Ge-müth unbedingt und ohne Ausnahme. Meine Glück-seligkeit zu befördern befiehlt es mir aber nicht unbe-dingt und ohne Ausnahme; sondern es fodert vielmehr,