Band 
Erster Band.
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der Nothwendigkeit einer moralischen RegierungGottes, mithin auch von der Erwartung eines zu-künftigen Lebens trennen wollten. Schon die Ansprü-che unserer sittlichen Natur, unseres besseren Ichs ansittliche Vollkommenheit, an ein durchaus gereinigtesHerz, wozu wir in unserem gegenwärtigen Zustandeunmöglich gelangen können, weisen auf ein anderesDaseyn hin und lassen es uns erwarten. Also ist derGlaube an Tugend mit dem Glauben an einen weisen,allmächtigen und gütigen Urheber der Welt, an seinemoralische Regierung und die Belohnung der Tugendin einem künftigen Zustande, auf das innigste ver-knüpft, und muß jeden gründlichen Sittenlehrer zu-gleich zu einem Religionslehrer machen.

Daß ich dich ehrlich unterrichtet, und dir denwahren Geist der Kantischen Moralphilosophie oderMoraltheologie vorgetragen habe, glaubst du mir aufmein Wort. Zeder andere wird dir bestätigen, daß derHauptgrundsatz dieser Philosophie, die Unabhän-gigkeit des Princips der Sittlichkeit vondem Princip der Selbstliebe sey.

Daß Kant die Annahme dieses Grundsatzes soweitdurchgesetzt hat/ erweckt in mir die lebhafteste Freude;