wegen zugetragen hat, behauptet dennoch ihren höhe-ren Werth. Ueber diese Materie habe ich mehr aufdem Herzen, als sich in zwanzig Briefen zusammen-fassen ließe. Ich reiße Folgendes aus der Mitte heraus.
Eine vollständige Lehre von unseren Begierden,(das Wort Begierde in seinem weitesten Sinne genom-men) würde zugleich die beste Moral seyn; und es isteine jede wahre Moral nur minder oder mehr eine sol-che Begierden - Lehre. Diese Lehre aber, wenn sie demVerstände auch nicht den mindesten Zweifel übrig ließe,würde dennoch keine Theorie der Glückseligkeit an dieHand geben, die es in der That für alle und jedeMenschen wäre. Denn nicht unsere angenommeneMeinung von der wahren Rangordnung menschlicherBegierden bestimmt die Grade und Verhältnisse ihrerKräfte in uns; sondern diese Kräfte und diese Verhält-nisse werden durch die eigenen Eindrücke von den Ge-genständen, mit den Vorstellungen, die sie verursachenoder zurückgelassen haben, nach Gesetzen, die sich insUnendliche verändern, bestimmt. Also nicht auf dieFrage von der möglichen Rangordnung der Begierdenim Menschen überhaupt, sondern auf ihre wirkliche
Rangordnung in jedwedem Menschen kommt es an.
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