Band 
Sechster und letzter Band.
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So viel ist gewiß, daß die angebauten Gegendenvon China sehr bevölkert sind. Das Elima daselbst istder Fortpflanzung in aller Absicht günstig. Die Er-ziehung eines Kindes bis zum Jünglingsalter bedarfnur eines sehr geringen Aufwandes: aber die Einwoh-ner dieses Reichs sind theils in solchem Grade elend,theils so sehr dem Geiz ergeben, daß sie ihre Kinder inMenge umbringen, oder erwachsen zu Sclaven verkau-fen. Der Kindermord wird bei den Chinesern auf ver-schiedene Weise begangen. „Entweder ersticken dieGebarmütter die Kinder in einem Becken heißen Was-sers, und lassen sich dafür bezahlen; oder man wirft siein den Fluß, nachdem man sie mit dem Rücken aufeinen ausgeholten Kürbis geheftet*). Das Geschrei,welches sie alsdann von sich stoßen, würde in jederandern Gegend die Menschheit schaudern machen; aberhier ist man gewohnt es zu hören, und niemand schau-dert dabei. Die dritte Art, sie umzubringen, ist, daßman sie auf den Gassen aussetzt, wo alle Morgen, be-sonders zu Pckin, Schuttkarren durchfahren, welchenman die in der Nacht ausgesetzten Kinder aufladet, vonda werden sie in einen Graben abgeworfen, und nichtmit Erde bedeckt, in Hoffnung, die Mohametaner möch-ten einige davon zu erretten kommen; aber oft geschiehtes, daß vor Ankunft der Schuttkarren viele dieser Kindervon den Hunden, und besonders von den Schweinen,welche die Gassen von Ehina erfüllen, schon lebendig

*) S. Loreens Reise nach China, fünfter Brief.