306
Handel treibt; wo man die Menschen mit dem Stock de
und der Peitsche regiert; da kann die Sittenlehre noch G
keine große Schritte gethan haben, weil die Gesetzge-bung daselbst noch so äußerst mangelhaft ist. Nie hat he
ein chinesischer Philosoph daran gedacht, die Grenzen nsi
der väterlichen Gewalt, und die Rechte der Menschheit ch,
aus einander zu setzen, vielmehr predigen sie ohne Maß jn
und Ende den Kindern gegen ihre Väter, den Weibern stc
gegen ihre Männer, und den Unterthanen gegen ihre de
Fürsten eine schrankenlose Unterwürfigkeit. Und wo zn
Gewalt die durchgängige Triebfeder ist und seyn soll,woher entsprängen da lautere Begriffe von Recht? de
Was sollte da Moral, deren erstes Element Freiheit ur
ist? Jn einem solchen Lande, wo nämlich die häus-liche Sclaverei der politischen die Hand reicht, darf frei-lich auch der Despot des Volkes Vater heißenr aberthöricht, ja wahnwitzig wär' es, aus diesem Grundeein solches Regiment mit dem Namen eines patriarcha-lischen zu belegen.
Zum Beschluß dieses Briefes will ich eine Stelleaus unserm Verfasser anführen, die eine Wahrheit ent-hält, welche nicht zu oft wiederholt werden kann: „Diechinesische Sittenlehre, sagt der Hr. v. P.ist mehrdahin gerichtet, eine äußerliche Handlungsweise anzu-ordnen, als die Sitten zu beherrschen. Sie verzehrtihre Kraft an kleinen Dingen, und wird ohnmächtigbei den großen. Wenn man eitle Meinungen, Cere-monien und Gebräuche mit den wesentlichsten Pflichten