Band 
Sechster und letzter Band.
Seite
446
JPEG-Download
 

446

Namen des Friedens zu verstehen sind, so ist der Friededas traurigste Loos der Menschheit. Wahrlich! zwi-schen Elternund Kindern pflegen häufigere und bitterereZwistigkeiten, als zwischen Herrn und Knecht zu ent-stehen; aber darum ist es der häuslichen Verfassungnoch nicht ersprießlicher, die väterliche Gewalt in her-rische zu verwandeln, und mit seinen Kindern wie mitseinen Knechten umzugehen. Nicht also den Frieden,sondern die Knechtschaft befördert es, alle Gewalt aneinen einzigen zu übertragen; denn der Friede bestehtnicht in der Befreiung vom Krieg, sondern in der Ueber-einstimmung und Eintracht der Gemüther;

Durch den ganzen Spinoza herrscht der Grundsatz,daß die Vernunft das höchste Gut des Menschen sey,folglich, daß seine Glückseligkeit nur in dem Maße zu-nehmen könne, wie die Vollständigkeit seiner Begriffe.Ein Grundsatz, der nicht wenigen äußerst paradox vor-kommen muß.

Herr Wicland hat sein Lehrgebäude vornämlich alsein Faktum der Natur vorzustellen gesucht, und zu die-sem Ende vier Fragen aufgeworfen *), die wir jctzo einenach der andern in Betrachtung ziehen wollen.

Erste Frage:**) Was würde ohne Regie-rung und bürgerliche Verfassung aus dem

*) D. Merk. 1777. Nov. S. 124. 125. und 126.

**) Ebendas. S. 124 und 125.