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Auch siehst Du, daß, wenn das Vorurtheil oder dieüberwiegenden Ideen in zwei Köpfen ganz und gar ver-schieden sind, des einen Ideen, die in den andern ein-gehen wollen, sich sogleich wieder heraus und davonmachen, ohne darin eigentlich weder Gutes noch Böseszu stiften; und die ganze Wirkung, welche diese Ver-schiedenheit hervorbringen kann, ist Mitleiden oder Ver-achtung , nachdem die Leute sind. Wenn aber die Ideennicht so ungleichartig oder abstechend sind, so dringensie mehr oder weniger in den andern Kopf hinein, underschüttern einige der Ideen, welche sich darin befinden,indem sie sich, mehr oder weniger mit ihnen vermischen,und solchergestalt die andern in Unordnung bringen.Die unangenehme Empfindung dieser Unordnung, dasheimliche Gefühl der Möglichkeit, daß die überwiegendeIdee, die Idee-Königin selbst, mitten auf ihrem ThroneGefahr laufen könnte; dieses setzt die Leidenschaften inBewegung, nicht die tragen Leidenschaften des Mitlei-dens, oder der Verachtung; sondern die Furien desHasses und der grausamsten Verfolgung.
Mein lieber Alcris, es ist im Menschen ein Princi-pium, das über alle Fähigkeiten seiner Seele weit er-haben ist; ein Principium, das sie alle sieht, sie mißt,sie beurtheilt, sie zurecht weiset, sie zusammensetzt, ihnenThätigkeit und Harmonie giebt oder nimmt, nach demVerhältnisse seines eigenen Werthes; ein Principium,das allein die Personalität des Menschen ausmacht; unddas Maß der Unabhängigkeit und der Kraft dieses Prin-cips ist das Maß seiner Weisheit.