Wenden wir uns von dem freundlichen Bild der Oase Siuah mit ihrenInselbergen, ihren Seeen, ihren prächtigen Palmenwäldern, ihren festungs-ähnlichen Dörfern, ihren wasserreichen Brunnen, woraus hundert Adern demBoden den Lebensnerv zuführen, wieder zurück nach den südlichen Oasen undrichten von Chargeh oder Dachei den Blick nach Westen, so schauen wir indas unbekannte Herz der libyschen Wüste hinein. Knapp hinter den letztenPalmengärten beginnt ein langsam ansteigendes Flachland, das alle Schrecknisseder Sahara in potenzirtester Form zur Schau trägt. Zuerst eine sterile Ebeneübersäet mit schwarzgefärbten, lavaähnlichen Sandsteinblöcken und durchzogenvon lichtgelben Sanddünen. Weiter nach Westen rücken die Dünenketten dichteraneinander, der felsige Boden in den Zwischenräumen bedeckt sich mit Sandund so wandelt sich schliesslich die ganze Landschaft in ein unabsehbares Sand-meer um, aus welchem Dünen von 100—150 Meter Höhe, wie riesige, erstarrteWellen hervorragen. Lichtgelber, reiner Quarzsand ist jetzt das allein herrschendeGestein geworden. Unter ihm erstirbt die letzte Spur von Vegetation. Auchdem Menschen tritt sie als unübersteigliche Schranke feindlich gegenüber.
Wäre mir heute die Aufgabe gestellt, über den Zusammenhang des geo-logischen Baues der Erde mit ihrer Oberflächengestaltung zu sprechen, so hätteich schwer ein lehrreicheres Beispiel wählen können, als Aegypten und seinebenachbarten Wüsten. Der Länder giebt es wenige, wo der Skeletbäu derErdkruste so unverhüllt zu Tage tritt und wo jede, auch die geringste Ver-änderung in der Zusammensetzung des Bodens sofort in der äusseren Configurationihr Wiederspiel findet. Keine neidische Bedeckung von Ackerkrume oder Vege-tation verbirgt das anstehende Gestein und keines der sonst so verbreitetenjüngeren Schwemmgebilde gewinnt hier eine nennenswerthe Entwickelung. Wohltritt der Sand als specifische Wüstenerscheinung an ihre Stelle, allein er ist aufbestimmte Regionen beschränkt und nur ausnahmsweise so verbreitet, dass erdie Beobachtung ernstlich behindert. Meist liegt das Land wie eine geologischeKarte vor dem Beobachter, und da überdies der jungfräuliche Boden alle imVerlauf der Jahrtausende ausgewitterten Versteinerungen auf bewahrt hat, sofindet deK Geologe auf einer Wüstenreise reichen Ersatz für seine Mühen undEntbehrungen.
Mit der vorausgeschickten landschaftlichen Skizze habe ich der Haupt-sache nach schon die Grundzüge der geologischen Verhältnisse unseres Gebietesentworfen.